Schulgeschichte Hochkirchs

Das Hochkircher Schulwesens kann über drei Jahrhunderte zurück verfolgt werden. Dass bereits 1715 in Hochkirch ein Schulgebäude gestanden haben muss, das belegt ein Schreiben des damaligen Pfarrers an das Domstift in Bautzen. Obwohl Hochkirch seit der Reformation ein evangelischer Ort war, hatte das Domstift St. Petri das Recht über die Kollatur der Schule behalten. Die Schule war damals ein einfaches Strohgedecktes Fachwerkhaus. Der Schulmeister, war zugleich Kantor und Küster. Die im Jahre 2010 abgerissene "alte Schule" - das ehemalige Kantorat - wurde 1825 gebaut. Die damals noch gespannpflichtigen Bauern, holten dazu Ziegel aus Gröditz und Kittlitz, Kalk aus Kunnersdorf bei Görlitz und Holz aus den Wuischkener Waldungen. Die Kosten des Baues beliefen sich damals auf 2219 Reichstaler, 14 Silbergroschen und 11 Heller. Links vom Eingang befanden sich zwei Lehrzimmer; die rechte Seite diente dem Kantor als Wohnung. Hier versah der alte Schulmeister Ernst Liebrecht Pech bis zu seinem 80. Lebensjahr (1831) sein Amt. Ein zweiter Lehrer namens Krümmer stand ihm zur Seite. 1830 besuchten 292 Kinder die Schule, wobei 130 Schüler die Oberklasse und 162 die Unterklasse besuchten.

1830 visitierte der Kirchen- und Schulrat Schulze aus Bautzen Hochkirch und bemerkte: "Jede der beyden Hauptclassen beseht aus zwei Abteilungen, deren jede einen 3stündigen Unterricht (mit Ausnahme des ganz schulfreien Sonnabends) erhält. Die Oberclasse wird ganz allein von dem Schulmeister, und die Unterclasse blos von dem zweiten Lehrer unterrichtet. ... Da die untere Schulstube noch immer nicht ganz hergestellt ist (man hat mit der Ausfüllung des tiefer gegrabenen Bodens erst einen Anfang gemacht); so müssen jetzt beide Abtheilungen einer jeden Classe in der obern (und kleineren) Schulstube zusammengenommen werden, - was nicht nur ein sehr nachtheiliges Gedränge zur folge hat, sondern auch das Festhalten an einem wohlgeordneten Lehrplane unmöglich macht. ... In beyden Classen [sind die Kenntnisse uns Fertigkeiten) noch sehr dürftig und ungenügend! - Viele Kinder der Oberclasse rechnen gar nicht und von 162 Kindern der Unterclasse hat zur Zeit etwa nur die Hälfte einen Anfang im Schreiben gemacht. Es kann nur dahin besser werden - wenn
a) jede Classe wieder ihr eigenes Local haben, - wenn
b) an des alten Pechs Stelle ein tüchtigerer Schulmann gekommen, - wenn
c) Krümmer zu größerer Thätigkeit und Lebendigkeit angeregt, - und wenn endlich
d) nach einem vollständig und zweckmäßig ausgearbeiteten Unterrichtsplane (an welchem es jetzt ganz fehlt) verfahren wird. Der Schulbesuch ist im Ganzen noch sehr ungeregelt. ...Außer einer Lesemaschiene und einigen Schiefertafeln ist fast gar Nichts vorhanden. Auch fehlt es an einem oder an ein paar zur Aufbewahrung des vorhandenen und in Zukunft noch anzuschaffenden Lehrgeräthes, der Schreibbücher u.s.w. unentbehrlichen Schränken." Soweit die Schilderung aus vergangener Zeit.

Bemerkenswert ist, dass der Schulmeister von seiner vorgesetzten Behörde - dem Bautzener Domstift - die Genehmigung hatte, gegen ein Pachtgeld von drei Talern auf den domstiftlichen Revieren auf Jagd zu gehen. (Eine Klage des Kuppritzer Rittergutsbesitzers von Kindt dagegen wurde abgewiesen.)
1856 besuchten 470 Kinder, verteilt auf sieben Klassen, die Hochkircher Schule. Die Raumnot wurde immer drückender und so wurde 1873 nach einem neuen Schulgesetz ein erweiternder Flügel angebaut (in diesen Räumen wurde noch bis 2003 unterrichtet.) Um 1900 wurde im Pfarrhaus noch ein Unterrichtsraum eingebaut, damit mehr Raum zur Verfügung stand. 1927 wurde dann ein neues und größeres Schulgebäude errichtet.
Zwischen 1948 und 1951 gab es in Hochkirch eine zweizügig geführte Schule. Zum einen unterrichtete man 380 deutsche und zum anderen 150 sorbische Schüler mit einen besonderen Augenmerk auf ihre jeweilige Muttersprache. Später wurde nur noch Deutsch unterrichtet und Sorbisch wurde zum fakultativen Schulfach. 1962 wurde ein weiterer Erweiterungsbau errichtet - später wurde noch in den Keller ein Lehrschwimmbecken eingebaut. Dieser Bau dienst heute der Grundschule als Domizil. 1962 zählte man in Hochkirch 618 Schüler.
Durch den dramatischen Rückgang der Kinder im Einzugsgebiet der Mittelschule Hochkirch konnten zunächst für 3 Jahre keine neuen 5. Klassen gebildet werden. Nachdem sich der Ev. Schulverein im Kirchenbezirk Bautzen um eine Übernahme der Schule bemüht hat - letztlich aber u.a. an zu wenig Lehrern für Hochkirch scheiterte - wurde die Mittelschule im Sommer 2003 geschlossen.
Durch die Initiative des Evangelischen Schulvereins Hochkirch e.V. konnte im August 2010 in Hochkirch wieder eine fünfte Klasse in der Mittelschule mit dem Unterricht beginnen. (www.evosh.de)
Anfang Oktober 2010 wurde das seit der Schulschließung 2003 nicht mehr genutzte alte Kirchschulgebäude aus dem Jahre 1825 abgerissen.

Schulklasse in Hochkirch


Lections=Verzeichniss der Schule zu Hochkirch 
Ostern 1838


Tage und Stunden

Classe II

Classe IV

Classe V

Tage und Stunden

Classe I

Classe III

Classe VI

Montag

7-8

Religionsunterricht nach dem Lehrbuche

Religionsunterricht nach dem Lehrbuche

Leseunterricht

Montag

12-1

Predigtexamen. Religionsunterricht nach dem Lehrbuche

Religionsunterricht nach dem Lehrbuche

Schreibunterricht

8-9

Kopfrechnen

Leseübung

Erklärung der wöchentlichen Aufgaben. Biblische Geschichten

1-2

Kopfrechnen

Kopfrechnen

Leseunterricht

9-10

Unterricht in der deutschen Sprache

Kopfrechnen

Schreibunterricht

2-3

Unterricht in der deutschen Sprache

Leseübung

Erklärung der wöchentlichen Aufgaben. Biblische Geschichten

-

-

-

-

3-4

Wendische Leseübung

Schreibübung

Anschauungsunterricht

Dienstag

7-8

Religionsunterricht

Religionsunterricht

Leseunterricht

Dienstag

12-1

Religionsunterricht

Religionsunterricht

Schreibunterricht

8-9

Dictirtschreiben

Schreibübung

Biblische Geschichten

1-2

Dictirtschreiben

Leseübung

Leseunterricht

9-10

Leseübung

Unterricht in der deutschen Sprache

Zahlunterricht

2-3

deutsche Leseübung

Unterricht in der deutschen Sprache

Biblische Geschichten

10-11

Schönschreiben

Wendische Leseübung

Anschauungsunterricht

-

-

-

-

Mittwoch

10-11

Religionsunterricht

Schreibübung

Classe VI

Leseunterricht

Mittwoch

7-8

Religionsunterricht

Religionsunterricht

Classe V

Leseunterricht

11-12

Leseübung

Biblische Geschichten

Biblische Geschichten

8-9

Schriftliches Rechnen

Dictirtschreiben

Biblische Geschichten

Donnerstag

7-8

Biblische Geschichten

Biblische Geschichten

Leseunterricht

Donnerstag

12-1

Religionsunterricht

Biblische Geschichten

Schreibunterricht

8-9

Schriftliches Rechnen

Unterricht in der deutschen Sprache

Schreibunterricht

1-2

Gesangsunterricht

Leseübung

Leseunterricht

9-10

Gesangsunterricht

Leseübung

Biblische Geschichten

2-3

Unterricht in der deutschen Sprache

Schreibübung

Biblische Geschichten

-

-

-

-

3-4

deutsche Leseübung im Kinderfreund von Hoffmann

Wendische Leseübung

Anschauungsunterricht

Freitag

7-8

Biblische Geschichten

Biblische Geschichten

Leseunterricht

Freitag

12-1

Religionsunterricht

Biblische Geschichten

Schreibunterricht

8-9

Dictirtschreiben

Leseübung

Biblische Geschichten

1-2

Realunterricht mit Zusätzen

Leseübung

Leseunterricht

9-10

Unterricht in der deutschen Sprache

Kopfrechnen

Schreibunterricht

2-3

deutsche Leseübung im Kinderfreund von Hoffmann

Unterricht in der deutschen Sprache

Biblische Geschichten

10-11

Wendische Leseübung

Schreibübung

Anschauungsunterricht

-

-

-

-

Sonnabend

10-11

Abhören des Auswendiggelernten

Leseübung

Classe VI

Leseunterricht

Sonnabend

7-8

Abhören des Auswendiggelernten

Abhören des Auswendiggelernten

Classe V

Leseunterricht

11-12

Schönschreiben

Abhören des Auswendiggelernten

Abhören des Auswendiggelernten

8-9

Schönschreiben

Kopfrechnen

Abhören des Auswendiggelernten