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Gebührenordnung der Gemeinde aus dem Jahr 1905

Gebührenordnung der Parochie Hochkirch

vom 15. Juni 1905

 (Anmerkung: In einem Streik sächsischer Färbereiarbeiter 1905 werden als Tageslohn 2,35 Mark - bei 10 Stunden Arbeitszeit - durchgesetzt. Dies entspricht bei durchschn. 25 monatl. Arbeitstagen einem Monatslohn von 58,50 Mark. -- Im Vergleich dazu betrug das durchschnittliche sächsische Bruttomonatseinkommen 2016 = 2333,33 €. Für eine vergleichende Umrechnung mit Angleichung der Arbeitszeit wäre der Faktor 39,88 anzunehmen.)

 

Nr.   Mark Pfennige Bemerkung

 

A. Abgaben an die Kirchgemeindekasse
     

 

1. Taufen
     

1.

Für eine Kirchentaufe ohne Rede - -  

2.

Für eine Haustaufe ohne Rede 35 -

20 M f.d. Pfarrer

15 M f.d. Kirchschullehrer

3.

Für eine Rede bei der Taufe 5 -  

 

2. Trauungen
     

4.

Für eine einfache Trauung - -  

5.

Für eine Trauung dritter Klasse 3 -  

6.

Für eine Trauung zweiter Klasse 5 -  

7.

Für eine Trauung erster Klasse 15 -  

 

Anm.: Weitere Abgaben siehe unter B 2 Nr. 42-55 und unter D Nr. 96      

 

3. Beerdigung
     

8.

für ein stilles Begräbnis - -  

9.

für ein Armen-Begräbnis - -  

10.

für ein Begräbnis mit Kollekte u. Segen, Gesang u. Lauten 3 -

2 M f.d. Pfarrer

1 M f.d. Kirchschullehrer

11.

für ein Begräbnis mit Kollekte u. Segen, Altarrede, Gesang, Orgelspiel u. Lauten 10 -

6 M

4 M desgl.

12.

für ein Begräbnis mit Kollekte u. Segen, Predigt, Gesang, Orgelspiel und Lauten 12 -

7 M

5 M desgl.

13.

für ein Begräbnis mit Kollekte u. Segen, Standrede, Gesang, Orgelspiel und Lauten 18 -

13 M

5 M desgl.

14.

für ein Begräbnis mit Kollekte u. Segen, Predigt und Abdankung, Gesang, Orgelspiel und Lauten 17 -

12 M

5 M desgl.

15.

für ein Begräbnis mit Abholung, Abdankung am Hause, Kollekte und Segen, Predigt, Gesang, Orgelspiel u. Lauten (mit ganzer Schule) 52 -

32 M

20 M desgl.

16.

für ein herrschaftliches Begräbnis wie oben mit ganzer Schule 79 -

48 M

31 M desgl.

 

außerdem für das Lauten bei einer Beerdigung      

17.

ad 8. und 9. nichts - -  

18.

ad 10. - 50  

19.

ad 11. 1 -  

20.

ad 12. 1 -  

21.

ad 13. 1 50  

22.

ad 14. 1 50  

23.

ad 15. 5 -  

24.

ad 16. 15 -  

25.

Für das Singen des Gedächtnisliedes am Sonntag in der Kirche 2 -

Der Kalkant [= Balgtreter an der Orgel] bekommt außerdem noch 13 Pf. siehe D Nr. 95.

Hierzu noch 50 Pf. in die Kirchenkasse siehe B 3

26.

Für dasselbe und Lauten dazu 3 -
-"-
27. Für dass. mit Lauten und Sterbekollekte 4 40
-"-
28. Für das Gedenken (memoria defundi) auf ein Vierteljahr - 75  
29. Beschließen dieses Gedenkens mit Liedsingen und Lauten 4 50 wie oben
  Anm.: Andere Gebühren siehe unter B 3 Nr. 56-61 und C Nr. 74-87, sowie D Nr. 88-104      
 
4. Beichte und Kommunion
     
30. Beichtgeld für eine Krankenkommunion:      
31. in Hochkirch - 75  
32. in den anderen Orten 1 50  
33. Armen darf der Pfarrer die Gebühr erlassen      
34. Für Konfirmandenunterricht jedes Kind beliebig      
35. Für Privat-Kommunion wegen der zu haltenden besond. Rede 35 -

25 M f.d. Pfarrer

10 M f.d. Kirchschullehrer

 
5. Insgemein
     
36. Für die Eintragung ins Kirchenbuch - -  
37. Für d. Lebenslauf und kirchliche Danksagung - -  
38. Für ein Kirchenbuchzeugnis 1 -  
39. Für jed. Fall mehr in dems. Zeugnis - 25  
40. Für's Aufschlagen im Kirchenbuch - 25  
41. Opfer- und Häuslergeld - -  
 
B. Abgaben an das Kirchen-Aerar
     
 
1. Bei Taufen: vakat
     
 
2. Bei Trauungen:
     
42.

Brautpaare, welche vermittelst Überweisung hier sich trauen lassen wollen, haben über die Gebühren sub. A. 2 für Benutzung der Kirche, Orgel usw. noch eine besondere Gebühr von ...

an das Aerar und auch in dem Fall zu entrichten, wenn sie nur eine einfache Trauung verlangen.

3 -  
43. Für das Geläute 6 -  
44. Für jede angezündete Altarkerze - 50  
45. Für das Anzünden der Kerzen - 50  
46. Für die Beleuchtung durch den ersten Kronleuchter 4 -  
47. ... durch den zweiten Kronleuchter 3 -  
48. ... durch den dritten Kronleuchter 2 -  
49. Hierüber für das Anzünden ders. 2 -  
50. Für das Auflegen der weißen Altarkleidung 3 -  
51. Für das Auflegen der roten Altarkleidung 2 -  
52. Für den großen Altarteppich inkl. Auflegen desselben 1 -  
53. Für die Kniekissen inkl. Auflegen - 50  
54. Für jeden Stuhl - 25  
55. Dem Kirchschullehrer ist eine Vergütung von 25 Pf. für jeden Stuhl zu leisten      
 
3. Bei Beerdigungen:
     
56. Für jede Altarkerze - 50  
57. Für das Anzünden der Altarkerzen - 50  
58. Für die schwarze Altarkleidung einschließlich des Auflegens 2 -  
59. Für die Benutzung des Bahrentuches - 25  
60. Für die Orgel beim Singen der Sterbekollekte - 50  
61. Für die Orgel beim Beschließen des Gedenkens - 50  
 
4. Kirchenstände
     
62. Gebühren für erwerbung von Kirchenstände sind nach der der Ständeordnung beigefügten Taxe je nach den verschiedenen Klassen der Kirchenstände an das Kirchen-Aerar zu entrichten.      
63. Für jede Erneuerung eines Standes - 90  
64.

Die Gebühr für den Tausch eines Standes gegen einen anderen.

hierzu ist bei jedem Fall Genehmigung vom Kirchenvorstand einzuholen.

3 -  
65. Die Ständepacht auf ein Jahr für einen Gottesdienst beträgt pro Jahr... - 50  
66. bis ... 1 -  
 
5. Außerordentliche Gebühren
     
  Bei einer Beerdigung von nicht zur Parochie gehörigen Verstorbenen sind die sub. A 3, B 3, C, D u. E geltenden Gebühren noch für Benutzung der Glocken, Orgel usw. an das Kirchen-Aerar zu entrichten:      
67. bei einer herrschaftlichen Beerdigung 10 -  
68. bei einer Beerdigung mit ganzer Schule 5 -  
69. bei einer Beerdigung mit Standrede 3 -  
70. bei einer Beerdigung mit Predigt und Abdankung 3 -  
71. bei einer Beerdigung mit Predigt 2 -  
72. bei einer Beerdigung mit Altarrede 1 50  
73. bei einer Beerdigung mit Kollekte und Segen 1 -  
 
C Abgaben an die Kirchhofskasse
     
 
1. Für Erbbegräbnisse
     
74. a. für Erbbegräbnisse auf dem neuen Friedhof für 0,57 laufende Meter an der Mauer entlang gemessen 7 50  
75. b. für Besitzveränderung oder Erneuerung von Erbbegräbnissen:      
76. 1. in Beerbungsfällen auf leibliche oder Pflegekinder, auf Eltern oder voll- und halbgebürtige Geschwister von je 3 Ml. der ursprünglichen Erwerbungssumme - 5  
77. 2. bei Verschenkung oder Vererbung an Nichtverwandte, in der Parochie Hochkirch befindliche Personen von je 3 Mk. der ersten Kaufsumme - 10  
78. 3. bei Verkauf an Jemand, der nicht zur Familie gehört, aber in der Parochie Hochkirch wohnt, von je 3 Mk. der neuen Kaufsumme - 10  
  c. für Erbbegräbnisse auf dem alten, wieder in Gebrauch genommenen Friedhof      
79. 1. auf Abteilung I für den qm 12 50  
80 2. auf Abteilung II für den qm 10 -  
81. d. für Besitzveränderungen gelten hier dieselben Bestimmungen wie auf dem neuen Friedhof, siehe unter b.      
82. Beschreibungs-Gebühr in allen Fällen - 50  
83.

e. für eine Grabstelle in der Reihe an eine in der Parochie verstorbene Person

an einer außerhalb der Parochie verstorbene Person

-

-

-

-

 
84. f. für eine Erneuerung eines Kindergrabes 4 -  
85. g. für Erneuerung des Grabes eines Erwachsenen 8 -  
86. h. für's Setzen eines Kinderleichensteines 4 -  
87. i. für's setzen eines Leichensteines für erwachsene Personen 8 -  
 

Der Totengräber ist verpflichtet, die Errichtung eines Denkmals so lange nicht zu gestatten, als bis der schriftliche Nachweis über die Entrichtung der ordnungsmäßigen Gebühr für Zulassung der Aufstellung beigebracht ist.

Die Inschriften auf den Grabdenkmälern sind vor deren Anbringung dem Pfarrer vorzulegen.

Eigenmächtige Wegnahme der Denkmäler ist streng verboten. Die sich legitimierenden Angehörigen haben sich hierbei mit dem Kirchenvorstand ins Benehmen zu setzen.

     
 
D Abgaben an den Totengräber, den Kalkanten und die Chorknaben
     
88.

Der Totengräber erhält für Bereitung eines Grabes

für einen Erwachsenen

 

3

 

-

 
89. für ein Kind von 5-14 Jahren 2 -  
90. für ein jüngeres Kind 1 20  
  Für Besetzung des Grabes mit Rasen:      
91. Für einen Erwachsenen 1 80  
92. Für ein Kind von 5-14 Jahren 1 20  
93. Für ein jüngeres Kind - 80  
94. Für die von ihm zu beschaffenden Rasen hat der Totengräber nichts zu beanspruchen.      
95.

Der Kalkant erhält außer seinem fixierten Gehalt nur eine Extra-Gebühr von

bei jedesmaligem Gedächtnislied.

- 13  
96. Die Chorknaben haben zu erhalten bei einer Trauung jeder wenigstens - 20  
97. bei einem Kollektenbegräbnis jeder - 10 7 Knaben
98. bei einem Begräbnis mit Altarrede - 15 16 Knaben
99. bei einem Begräbnis mit Predigt - 15 desgl.
100. bei einem Begräbnis mit Predigt und Abdankung - 20 desgl.
101. bei einem Begräbnis mit Standrede - 20 desgl.
102. bei einem Begräbnis mit ganzer Schule jeder mindestens - 30 45 Knaben
103. bei einer herrschaftlichen Beerdigung jeder mindestens - 50 45 Knaben
104. Der Kreuzträger erhält bei den letzten beiden Beerdigungen das Doppelte.      
 
E Außerordentliche Abgaben
     
 

Wird der Kirchschullehrer mit den Chorknaben bei Beerdigungen in den auswärtigen Ortschaften der Parochie nicht mit ganzer Schule zum Singen am Hause gewünscht, so darf er dem Verlangen entsprechen.

     
105.

Es sind ihm dafür zu zahlen

bei einer Entfernung über 3 km von Hochkirch

 

4

 

-

 
106. unter 3 km von Hochkirch 3 -  
107. den Chorknaben jedem - 50  
108. Gebühren für Amtshandlungen, besonders für Trauungen und Begräbnisse, welche für Personen von auswärts, die nicht zur Parochie Hochkirch gehören, zu zahlen sind, haben, soweit das Kirchen-Aerar nicht Anspruch darauf hat, der Pfarrer und Kirchschullehrer zu erhalten, weil derartige Fälle in der Fixation des Geistlichen und Kirchschullehrers nicht mit inbegriffen sind.      

 

Hochkirch, den 15. Juni 1905
Der Kirchenvorstand gez. Kubitz, Pfarrer, R.E. Hähnel, Schriftführer, J.A. Sobe, Joh. Reinig

Bautzen, den 5. Juli 1905
Die königliche Kreishauptmannschaft als Konsistorialbehörde gez. v. Schlieben