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14. Oktober 1758

Die Schlacht bei
Hochkirch
zwischen Preußen
und Österreich

Im Juni 1756 erhielt Friedrich II. durch seine Spione an den europäischen Höfen Kenntnis von der Annäherung zwischen Frankreich und Russland sowie von russischen Truppenbewegungen. Außerdem bekam er Abschriften der Pariser und Petersburger Verträge, die die Allianz zwischen Österreich, Russland, Frankreich und Sachsen dokumentierten. Daraufhin befahl Friedrich die Mobilisierung seiner Regimenter in Ostpreußen und Schlesien, um dem drohenden Angriff von mehreren Seiten durch einen Einmarsch in Sachsen zuvorzukommen. Die Besetzung Sachsens hatte für Friedrich II. einen militärischen und einen wirtschaftlichen Hintergrund. Militärisch gesehen versuchte Friedrich mit dem Erzgebirge und der Sächsischen Schweiz einen natürlichen Grenzwall zur österreichischen Provinz Böhmen zu gewinnen. Weiterhin konnte Friedrich durch die Besetzung die benötigten Kriegsmateralien, wie Kanonen, Munition usw. die Elbe von Magdeburg hinauf transportieren. Wirtschaftlich sollte das wohlhabende Sachsen die Kriegskassen des preußischen Königs füllen. Nach der zügigen Besetzung Sachsens sah Friedrich II. vor, in Böhmen einzurücken. Dort sollte die Einnahme Prags die dauerhafte Unterbringung der preußischen Streitkräfte auf gegnerischem Territorium ermöglichen und Maria Theresia zu Friedensverhandlungen zwingen. Bei einem solchen Erfolg wäre dann nicht mehr zu erwarten, dass Russland im folgenden Jahr Preußen allein angreifen würde.
1756
Sachsen / Böhmen - Am 29. August 1756 überschritt die preußische Armee ohne vorherige Kriegserklärung die Grenze Sachsens. Die sächsische Armee unter der Führung von Graf Rutowski wurde überrascht und sammelte sich in einem Lager bei Pirna, wo die preußische Armee sie am 10. September einschloss. Am 9. September besetzte die preußische Armee bereits kampflos Dresden. Rutowski weigerte sich jedoch zu kapitulieren, weil er damit rechnete, dass ihn die österreichische Armee bald entsetzen würde. Als diese unter dem Kommando des Feldmarschall Browne tatsächlich Ende September nahte, zog Friedrich II. ihr mit der Hälfte seiner Armee entgegen (die andere belagerte weiterhin das sächsische Heerlager). Am 1. Oktober 1756 kam es zur Schlacht bei Lobositz in Böhmen. Die Schlacht endete mit einem preußischen Sieg, unter anderem, weil die Österreicher die eingeschlossenen Sachsen nicht mehr erreichen konnten. Daraufhin mussten die sächsischen Truppen am 16. Oktober 1756 kapitulieren. Sie wurden zunächst in preußische Dienste gepresst, desertierten jedoch größtenteils im folgenden Frühjahr. Somit war nur die Besetzung Sachsens erreicht worden, während das Konzept eines entscheidenden Schlages gegen Österreich gescheitert war.
1757
Die Situation stellte sich für Friedrich II. zu Beginn des Jahres 1757 ungünstig dar. Am 17. Januar wurde der Reichskrieg gegen Preußen erklärt, da dieses durch den Angriff auf Sachsen Landfriedensbruch begangen habe. Die Reichstruppen würden also als weiterer Gegner Preußens auf den Plan treten. Nur Tage später, am 22. Januar, unterzeichneten Russland und Österreich einen Allianzvertrag, dem am 1. Mai ein französisch-österreichisches Offensivbündnis folgte. Zusätzlich zum schon lang erwarteten Angriff der Russen und dem Krieg gegen Österreich würden also auch Truppen Frankreichs, als Garantiemacht des Westfälischen Friedens, in Deutschland einrücken, um gegen Preußen vorzugehen und gleichzeitig Hannover als Faustpfand im Krieg gegen England zu gewinnen. Die Engländer befanden sich in Nordamerika und Indien unter Druck und konnten kaum wirksam für den Schutz Hannovers sorgen. Aus diesem Grund stellten die mit Preußen und England verbündeten deutschen Fürstentümer eine Armee auf, die sogenannte „Observationsarmee“, welche gegen die französischen Streitkräfte operieren sollte.
Böhmen / Schlesien - Friedrich II. nahm sein strategisches Konzept des Vorjahres noch einmal auf, zunächst Prag einzunehmen und so einen entscheidenden Schlag gegen Österreich zu führen. Im April rückten die preußischen Truppen von mehreren Seiten in Böhmen ein, wo es am 6. Mai zur Schlacht bei Prag kam. Zwar siegten die Preußen, doch ein Großteil der österreichischen Armee rettete sich in die Festung. Während Friedrich nun mit der Belagerung derselben begann, zog von Süden her ein österreichisches Entsatzheer unter Feldmarschall Graf Daun heran. Friedrich II. stellte sich diesem mit der Hälfte seiner Truppen (die andere belagerte Prag) in der Schlacht von Kolín am 18. Juni entgegen, wurde dabei jedoch schwer geschlagen. Als Folge dieser Niederlage mussten die Preußen ganz Böhmen räumen und nach Sachsen zurückweichen. In den folgenden Monaten manövrierten die gegnerischen Heere ergebnislos um einander, bis Friedrich II. durch den Anmarsch der Reichsexekutionsarmee in Thüringen gezwungen war, mit einem großen Teil seiner Truppen dorthin zu eilen. Die nunmehr überlegenen Österreicher griffen die preußischen Truppen unter dem Herzog von Braunschweig-Bevern am 7. September in der Schlacht von Moys an und zwangen diese zum Rückzug. Nach einer weiteren Schlacht von Breslau am 22. November sowie der Einnahme der Festungen Schweidnitz und Breslau befand sich Ende November der größte Teil Schlesiens wieder unter österreichischer Kontrolle. In diesem Zeitraum gelang es dem österreichischen General Andreas Hadik von Futak auch mit einer Abteilung Husaren, für einen Tag (16. Oktober) Berlin zu besetzen, bevor er sich wieder zurückzog. Anfang Dezember traf jedoch die preußische Hauptarmee unter Friedrich II. wieder in Schlesien ein. Er griff die österreichische Armee in der Schlacht von Leuthen am 5. Dezember an und schlug sie entscheidend. Diese zog sich nach Böhmen zurück, während die Preußen bis zum April 1758 die schlesischen Festungen zurückeroberten. Damit war die Ausgangssituation vom Beginn des Jahres weitgehend wieder hergestellt.
Mitteldeutschland - Im Juni griffen auch die Franzosen an. Sie entsandten eine Armee nach Norddeutschland, welche die preußischen Länder am Rhein besetzte und anschließend gegen Hannover vorging. Am 26. Juli 1757 schlugen die französischen Truppen unter Führung des Marschalls d'Estrées die aus Kontingenten der deutschen Kleinstaaten bestehende Observationsarmee unter dem Herzog von Cumberland in der Schlacht bei Hastenbeck. Die Observationsarmee zog sich an die Nordsee zurück, wo sie sich in der Konvention von Kloster Zeven für neutral erklärte. Somit stand im Spätsommer für die Franzosen der Weg nach Berlin offen. Da sie aber kein Interesse daran hatten, Preußen gegenüber Österreich zu sehr zu schwächen, begnügten sie sich mit der Besetzung der mit Preußen verbündeten Fürstentümer. Marschall d'Estrées wurde nach einigen Intrigen in Versailles durch den Herzog von Richelieu ersetzt.
Gleichzeitig begann im August auch die Reichsexekutionsarmee mit ihren Operationen in Thüringen gegen das sächsische Gebiet. Die Armee bestand aus einem französischen Korps unter dem Prinzen von Soubise und den Reichstruppen unter dem Herzog von Sachsen-Hildburghausen, der auch den Oberbefehl führte. Gegen diese Armee rückte Friedrich II. von Schlesien her an und schlug sie am 5. November 1757 vernichtend in der Schlacht bei Roßbach. Die Reichsarmee trat in den folgenden Jahren nicht mehr als eigenständiger Verband in Erscheinung. Friedrich II. setzte sich mit der preußischen Hauptarmee wieder nach Schlesien in Bewegung, um dort dem österreichischen Vordringen zu begegnen.
1758
Anfang des Jahres waren russische Truppen unter Graf von Fermor erneut in Ostpreußen und Pommern eingedrungen und versuchten anschließend, sich mit den Österreichern zu vereinigen. Dies konnte Friedrich in der Schlacht bei Zorndorf verhindern. Die Russen zogen sich bis Jahresende hinter die Weichsel zurück, hielten aber Ostpreußen. Unter Ausnutzung der Abwesenheit des preußischen Hauptkontingents gelang es österreichischen Truppen, fast ganz Schlesien zu besetzen.
Außerdem drangen im Spätsommer österreichische Truppen unter Graf Daun in Südsachsen ein, schlugen die Preußen in der Schlacht von Hochkirch und versuchten Dresden zu nehmen, was aber nicht gelang. Ende November zogen sie sich nach Böhmen zurück.
England sagte Preußen in einer Vereinbarung vom 11. April 1758 finanzielle Mittel von 4,5 Millionen Talern sowie die Aufstellung eines neuen Heeres in Kurhannover zu.[1] Herzog Ferdinand konnte die Franzosen in der Schlacht von Rheinberg und in der Schlacht bei Krefeld schlagen und kontrollierte zum Jahresende das gesamte rechtsrheinische Gebiet.
„Affaire de Meer“: In der Schlacht bei Rees Mehr (heute Mehrhoog /Hamminkeln) am 5. August 1758 schlugen die Preußen unter General v. Imhoff die Franzosen. Das Bataillon Stolzenberg traf an der Stelle, wo heute noch ein Obelisk (Inschrift: „Deutschlands tapferen Kriegern, welche hier unter General v. Imhoff am 5. August 1758 die Franzosen schlugen. Errichtet am 5. August 1858 durch die Bewohner von Haffen und Mehr“) an die Schlacht erinnert - die Franzosen in der Flanke. Hierdurch kam es zum siegreichen Ausgang der Schlacht bei Mehr, bei der 3000 Preußen fast 10000 Franzosen schlugen. Das französische Heer floh zurück in die von ihm besetzte Stadt Wesel. Eine Erinnerung zum 250. Jahrestag der Schlacht zeigt das Museum der Stadt Rees in Form einer großen Ausstellung vom 20. Juli bis 18 Oktober 2008. Der Reeser Geschichtsverein hat diese Ausstellung auf der Grundlage monatelanger Recherchen zusammengestellt.
1759
Durch den hohen Blutzoll der vorherigen Kriegsjahre war Preußen zu offensiven Aktionen nicht mehr in der Lage, vielmehr hatte es nun mit Angriffen auf das preußische Kernland zu kämpfen. Erneut versuchten die Russen unter Saltykow und Österreicher unter Leopold Joseph Graf Daun eine Vereinigung ihrer Truppen zu erreichen, um Friedrich gemeinsam zu schlagen. Diese Vereinigung gelang diesmal bei dem Ort Kunersdorf (östlich von Frankfurt (Oder)), nachdem die Russen aus Ostpreußen – ein preußischer Verband, der sich ihnen entgegengeworfen hatte, war am 23. Juli bei Kay geschlagen worden – und die Österreicher über Schlesien angerückt waren. Friedrich erlitt bei einem Angriff auf das Lager der nunmehr Verbündeten in der Schlacht von Kunersdorf (12. August) eine katastrophale Niederlage, das preußische Heer löste sich zwischenzeitlich auf.
Die Russen, Österreicher und Franzosen nutzten jedoch wegen wachsender Widersprüche innerhalb des Bündnisses nicht die Gunst der Stunde, um nach Berlin vorzurücken. Friedrich bezeichnete diesen Umstand, der dem preußischen Staat die Existenz rettete, in einem Brief an seinen Bruder Heinrich als das „Mirakel des Hauses Brandenburg“. Die Russen zogen sich im Herbst in ihre Ausgangsstellung zurück und die Österreicher rückten auf den sächsischen Kriegsschauplatz ab. Dort hatte im Sommer die Reichsarmee unter Ausnutzung der Abwesenheit preußischer Truppen fast ganz Sachsen inklusive Dresden besetzt. Nach Vereinigung der Reichsarmee mit den Österreichern kam es hier am 20. November zu einem Zusammentreffen mit einem preußischen Kontingent im Gefecht von Maxen, das zum Einschluss der preußischen Truppen führte. Der preußische General von Finck kapitulierte daraufhin einen Tag später und wurde mit rund 14.000 Mann gefangen genommen.
Auf dem westdeutschen Kriegsschauplatz blieb bis zum Jahresende der Status quo weitgehend erhalten, einen Vorstoß des Herzogs von Braunschweig zum Rhein wehrten die Franzosen bei Bergen ab (13. April). Der darauf folgende Vorstoß des französischen Hauptkontingents nach Hannover wurde von den preußischen Verbündeten in der Schlacht bei Minden (1. August) abgewiesen.
1760
Am 20. Februar 1760 traf das preußische 4. Kürassier-Regiment auf österreichische Truppen bei Koßdorf
Auch 1760 war Preußen angesichts der eigenen Schwäche vorrangig darauf bedacht, seine eigenen sowie die eroberten Gebiete zu halten. Österreich hingegen wollte zunächst Schlesien wiedergewinnen, zusammen mit den Russen aber letztlich die preußischen Kräfte vernichten. Dementsprechend fielen österreichische Truppen unter von Laudon in Schlesien ein, eroberten wichtige Festungen und schlugen ein preußisches Korps bei Landeshut vernichtend. Gleichzeitig versuchte Friedrich vergeblich, mit starken Kräften Dresden zurückzugewinnen, was zu erheblichen Zerstörungen in der Innenstadt führte.
Als österreichische Entsatztruppen unter Daun Dresden entgegenstrebten und Friedrich von den Entwicklungen in Schlesien alarmiert wurde, zog er dorthin ab und Daun folgte ihm. Beiden österreichischen Armeen, die am 15. August von Friedrich angegriffen wurden, gelang eine Vereinigung bei Liegnitz. Durch Glück gelang den preußischen Truppen ein Sieg und damit die Verbindung zu Truppen unter Prinz Heinrich, der dadurch die russischen Kräfte auf Distanz halten konnte.
Diese Erfolge wurden schnell relativiert, denn den Gegnern Preußens gelang gleichzeitig die Besetzung Sachsens durch die Reichsarmee und (kurzzeitig) Berlins durch die Russen unter Tottleben und Tschernyschew und Österreicher unter Lacy, welches stark geplündert wurde. Friedrich gelang am 3. November in der Schlacht bei Torgau noch einmal ein Befreiungsschlag, indem er die ihm folgenden österreichischen Kräfte unter Daun besiegte und nach Sachsen zurückdrängte. Trotzdem war die Lage Preußens katastrophal, unter anderem waren Ostpreußen, Sachsen und Schlesien in der Hand des Gegners.
Im Laufe des Jahres gelang es französischen Kräften, bis tief in rechtsrheinisches Gebiet vorzustoßen und sich Trotz eines Sieges der alliierten Truppen in der Schlacht bei Warburg in Hessen-Kassel zu behaupten. Schwedische Truppen setzten sich gleichzeitig im preußischen Teil Pommerns (ein Teil Vorpommerns war seit dem Dreißigjährigen Krieg schwedisch) fest.
1761
Erneut war Schlesien Kriegsschauplatz. Gegen die anrückenden und sich vereinigenden Österreicher (unter Laudon) und Russen bezog das preußische Heer das Lager von Bunzelwitz, das den ganzen Sommer gegen die mit Versorgungsschwierigkeiten kämpfenden Verbündeten gehalten werden konnte. Die Russen zogen im September zermürbt ab, aber auch die Preußen, so dass die wichtige Festung Schweidnitz zusammen mit Oberschlesien in die Hände der Österreicher fiel.
In Hinterpommern eroberten die Russen Kolberg, aber in Vorpommern gelang es den Preußen, sich gegen die Schweden zu behaupten. Auf dem westdeutschen Kriegsschauplatz passierte wenig, was insbesondere an der schwindenden Kraft des französischen Staates lag.
So hatte Preußen auch in diesem Jahr Glück, dass die Alliierten zu keinem entscheidenden Schlag in der Lage waren. Dennoch war die Lage Preußens weiterhin kritisch. Hinzu kam noch, dass die britische Regierung nach dem Sturz Pitts im Dezember die Subsidienzahlungen einstellte.
Ein oft fälschlicherweise mit Friedrichs zu diesem Zeitpunkt zwei Jahre altem Zitat vom „Mirakel des Hauses Brandenburg“ in Zusammenhang gebrachtes Ereignis verschaffte Friedrich die benötigte Entlastung: Die Zarin Elisabeth starb am 24. Dezember und ihr Neffe Peter III. trat daraufhin die Nachfolge an.
1762
Nachdem er den preußischen Hohen Orden vom Schwarzen Adler verliehen bekam, schloss Peter III., ein Bewunderer Friedrichs, am 5. Mai in St. Petersburg einen Friedens- und Bündnisvertrag mit Preußen (und stellte diesem ein Kontingent zur Verfügung) (Frieden von Sankt Petersburg), dem sich Schweden am 22. Mai (Frieden von Hamburg) anschloss. Nach Peters Ermordung löste Katharina die Große das Bündnis auf, beließ es aber beim Frieden. Durch die frei werdenden Kräfte erstarkt, versuchte Friedrich die Österreicher aus Schlesien und Sachsen zu verdrängen. Es gelang ihm, Daun bei Burkersdorf zu schlagen und Schweidnitz zu besetzen. Bei Freiberg kam es schließlich zur letzten Schlacht zwischen Österreich und Preußen. Die Preußen unter Prinz Heinrich siegten, womit ihnen auch die Rückgewinnung Sachsens gelang.
Ein letztes Mal versuchten französische Truppen einen Vorstoß nach Hessen, der jedoch bei Wilhelmsthal und Lutterberg zurückgeschlagen wurde.
Auswirkungen
Großbritannien und Portugal schlossen am 10. Februar den Frieden von Paris mit Frankreich und Spanien.
Am 15. Februar 1763 wurde auf der Hubertusburg der Frieden von Hubertusburg zwischen Preußen und seinen Gegnern geschlossen. Der Status quo ante bellum wurde wiederhergestellt.
Politische Folgen
Preußen war durch den Krieg als fünfte Großmacht im europäischen Mächtekonzert etabliert. Der mit den Schlesischen Kriegen begonnene Gegensatz zu Österreich blieb, von der Phase der gemeinsamen Gegnerschaft zu Napoléon abgesehen, bis zum Krieg von 1866 für die deutsche Politik grundlegend (Deutscher Dualismus) und mündete bald darauf in den Bayerischen Erbfolgekrieg.
Wirtschaftliche Folgen
Für die Bevölkerung der beteiligten Staaten in den Kriegsgebieten hatte der Krieg zum Teil katastrophale Auswirkungen. Der Verlust an Soldaten war immens – so verlor allein Preußen 180.000 Mann. Auch die Zivilbevölkerung wurde dezimiert, insbesondere in den am stärksten betroffenen Gebieten wie Sachsen oder Pommern. Sachsen hatte als von den Preußen besetztes Gebiet auch sehr stark unter Plünderungen, Zwangsrekrutierungen und Kontributionszahlungen zu leiden. 


Die Schlacht bei Hochkirch

Fast könnte es scheinen, als sein Hochkirch ein Dorf wie tausend andere gewesen, mit den sich ständig ablösenden Generationen, mit den Mühseligkeiten und den kleinen Freuden. Doch der Name Hochkirch ist auch aus besonderem Grund in das "Buch der Geschichte" eingetragen.

Friedrich II. von Preußen nutze gleich zu Beginn seiner Regentschaft die momentane Schwäche des habsburgischen Hauses und eroberte 1740 Schlesien. Diese Eroberung kostete auf viele Jahre hin unzähligen Menschen das Leben. Die drei Schlesischen Kriege waren, wie es Lessing sagte "ein blutiger Prozeß unter unabhängigen Häuptern, der alle übrigen Stände ungestört ließ."
1756 überfiel Friedrich II. Sachsen, knebelte es sieben Jahre und drang tief nach Böhmen vor. Da Rußland und Frankreich sich auf die Seite des habsburgischen Österreiches stellten, wurde Preußens Lage sehr kritisch. Im Spätsommer 1758 rückte die österreichische Armee unter Feldmarschall Daun in die Oberlausitz ein, bedrohte von da aus Dresden und den Zugang nach Berlin, versperrte vor allen Dingen aber dem preußischen Herr den Weg nach Schlesien. Friedrich II. zog nun ebenfalls nach Sachsen um die Österreicher wieder über die Grenze zurückzudrängen. Daun verließ sein Lager bei Stolpen, marschierte über Wilthen und Cunewalde ostwärts und setzte sich in der Gegend von Löbau fest. Während er sein Hauptquartier im Gutshaus Jauernick (heute Ortsteil von Hochkirch) errichtete lagen die Stellungen seiner Truppen in weitem Bogen von Lehn über den Wohlaer Berg bis zum Strohmberg bei Weißenberg. Friedrich war inzwischen mit seinem Heer über Bautzen nördlich des Gebirges ebenfalls ostwärts marschiert und sah sich am 10. Oktober in Hochkirch den starken österreichischen Positionen gegenüber. Obwohl seine Generale schwere Bedenken trugen, ließ er seine Regimenter zwischen Hochkirch und Kotitz ein Lager aufschlagen, das im Vergleich zu den befestigten Höhenstellungen wenig vorteilhaft war. Sein Hauptquartier war das Rittergut Rodewitz. Friedrich hatte die Absicht, die Österreicher anzugreifen, obwohl diese mit 78.000 Soldaten dem preußischen Heer in Stärke von 37.000 Mann überlegen waren.. Hinweise seiner kriegserfahrenen Freunde, daß der rechte preußische Flügel über das Gebirge hinweg umfaßt werden könnte, beachtete der König nicht. Er unterschätzte die Fähigkeiten des Gegners gewaltig. Daun hielt er führ einen großen Zauderer, der einen Angriff nicht wagen würde. Auch die Tatsache, daß der österreichische General Laudon mit einem Heeresteil im Rücken der preußischen Truppen am Czorneboh stand, beirrte Friedrich nicht.
Daun aber hatte tatsächlich die Absicht, die Preußen zu umfassen und ihre Schlüsselstellung Hochkirch zu nehmen. Er ließ durch die Bergwälder des Hochsteins und des Sornßiger Berges Wege bauen und schickte allnächtlich seine Kroaten zu Scheinangriffen gegen die preußischen Vorposten bei Hochkirch vor. Für den großen Überraschungsangriff war der frühe Morgen des 14. Oktober festgesetzt. Der Schlag der Hochkircher Kirchturmuhr soll um fünf Uhr das Zeichen zum Angriff gegeben haben.
Es war ein neblig-nasser, finsterer Sonntagmorgen. Der Plan der Österreicher glückte. Rasch wurden die preußischen Vorposten, die sich am Birkenberg am Wege nach Wuischke verschanzt hatten, überwältigt, ihre Kanonen gewendet und auf Hochkirch gerichtet. Um die starke preußische Geschützstellung auf der Anhöhe südlich des Ortes, entbrannte ein wechselvoller Kampf, den schließlich die starke österreichische Übermacht entschied. Nun begannen auch Laudons Geschütze vom Kleilberg am Meschwitzer Weg her das Dorf zu beschießen. Im Morgennebel näherte sich der Kampf dem Ort. Schlaftrunken stürzten die preußischen Grenadiere aus ihren aus ihren Quartieren und fanden sich vom Feind umringt. General Laudons Panduren und Reiter richteten ein furchtbares Gemetzel an. Es kam zu einem Häuserkampf mit allen seinen Schrecknissen. Der preußische Major von Langen hielt mit einem Bataillon den Kirchhof. Der König ließ seinen Feldmarschall Keith von Pommritz herauf im Morgengrauen preußische Regimenter zum Sturmangriff auf Hochkirch führen. Zweimal gelang es, unterstützt von den Husaren des Generals Ziethen, unter schweren Opfern einen Teil des Dorfes zurückzuerobern. Als Keith fiel, wagte der König selbst einen weiteren Versuch: doch wurde ihm das Pferd unter dem Leib erschossen. Der immer stärker werdende Druck der Österreicher und der Mangel an Munition zwangen gegen ½ 8 Uhr dazu, Hochkirch verloren zu geben und zum Rückzug zu blasen. Major von Langen aber, der nun abgeschnitten von jeglicher Hilfe war, verteidigte den Kirchhof weiter bis zum bitteren Ende. Die toten Soldaten lagen in wirren Haufen auf dem Dorfweg neben der Kirchhofmauer, der noch bis heute den Namen Blutgasse trägt.
In der neunten Stunde war die kurze, aber außerordentlich blutige Schlacht um Hochkirch beendet. Die Hauptstellung der Preußen war vernichtet. Kleinere Kampfhandlungen, die an der übrigen Front am Strohmberg, um Lauske, Zschorna, Kotitz, Drehsa und Gröditz ausgelöst worden waren, fielen demgegenüber nicht ins Gewicht. Der allgemeine Rückzug der Preußen wurde von den Österreichern nicht behindert, demnach der Sieg von Daun nicht ausgenutzt. Friedrich konnte seine Truppen bis zu den Kreckwitzer Höhen zurücknehmen und konnte etwa 7 km von Hochkirch entfernt bei Kleinbautzen, Doberschütz, Malschwitz ein neues Lager aufschlagen. Die Niederlage hatte ihm schwere Verluste gebracht. Gegen 9000 waren gefallen, verwundet oder gefangen genommen. Allerdings hatten auch die Österreicher einen Verlust von 8000 Mann zu beklagen. Friedrich verlor in diesen Stunden zwei seiner bewährten Heerführer: Generalfeldmarschall Jacob Keith und den Prinzen Franz von Braunschweig.
Wie die Schacht in der Bevölkerung erlebt wurde, darüber ist nichts aufgezeichnet worden. Das Pfarramt war nach dem Tode des Pfarrers Johann Friedrich Lange 1757 noch nicht wieder neu besetzt, denn Pfarrer Georg Janke wechselte erst 1759 von Kotitz nach Hochkirch. So stand das Pfarrhaus leer als es an jenem schrecklichen Tage mit nahezu allen Archivalien niederbrannte. Das Totenbuch der Kirchgemeinde beginnt nach der Schlacht mit folgendem Eintrag: „Peter Pech von Pommritz ist den 14. Octobr. In der Action bey dem Brand in seinem Keller ersticket und den 16. ej. hier begraben; alt. 57 Jahr“. Manche Hochkircher mögen sich mit Beginn der Schlacht über die Gärten und Zäune in die westlichen und nördlichen Nachbarorte gerettet haben. Andere mögen voller angst in den Kellern gekauert haben. Gewiß sind viele Zivilisten, die im Kampfgetümmel umkamen, unbesehen mit in die Massengräber geworfen worden, die von den Österreichern in den nächsten Tagen in und um Hochkirch ausgehoben und mit 4570 Gefallenen gefüllt wurden.
Zahlreiche Hinweise finden sich noch heute in Hochkirch, die auf dieses Ereignis hinweisen. So weist die Kirche eine von den Musketenkugeln durchschossene Türe auf und hinter dem Altar steht heute ein Denkmal (Abbildung), das an den in der Schlacht gefallenen Feldmarschall Keith erinnert. Ebenfalls in der Kirche ist noch das alte eiserne Werk der Kirchturmuhr zu sehen, die am Morgen des 14. Oktober 1758 das Signal zu jener verhängnisvollen Schlacht gab. Ein sorbischer Uhrmacher aus Niethen (Andreas Mieth) hatte dieses Werk 1751 für den damals neuen Kirchturm geschmiedet. Zwischen dem Kirchhoftor und der Kirche selbst sind um 1900 drei Obelisken aufgestellt worden, zwei von ihnen den Toten von 1758 gewidmet. Major Simon Moritz von Langen wird geehrt, der "diesen Kirchhof mit dem 2. Bataillon des Regiments Markgraf Karl gegen zehnfache Übermacht biszur Vernichtung seiner Manschaft verteidigte". Das andere Denkmal gilt dem andenken der in Hochkirch gefallenen österreichischen und preußischen Soldaten.
Über der Tür des Pfarrhauses zeigt ein Stein folgende Inschrift: "Gubernante Iehova, 1758, Im Kriege brandt ich nieder, Der Friede bracht mich wieder, 1764" Eine Gedenktafel war noch bis 1999 an einem Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Rittergutes Rodewitz angebracht. Das Schloß, in dem Friedrich II. vom 10. bis zum 14. Oktober 1758 einquartiert hatte, brannte zehn Jahre später ab und wurde nicht wieder aufgebaut. Auch das Schloß in Wurschen verrät durch zwölf eingemauerte Kanonenkugeln und die Inschrift "En Signa Proelii Die XIV.Oct. MDCCLVIII", daß es während der Schlacht bei Hochkirch beschossen wurde. Groß ist die Zahl der Massengräber und Einzelgräber, auf die man im Laufe der Zeit in und um Hochkirch steiß. An der Bahnstrecke von Pommritz nach Breitendorf erblickt der aufmerksame Reisende heute noch unmittelbar hinter der Niethener Eisenbahnbrücke einen schlichten Stein mit dem Zeichen "14. 10. 1758", der ein Kriegsgrab bedeckt. Wer von Niethen nach Lauske wandert trifft in einem Gehölz unvermutet ebenfalls ein durch ein Denkstein gekennzeichnetes einsames Soldatengrab. Daß nicht nur der Besiegten und der armen Opfer gedacht worden ist; sondern auch des Siegers, beweist ein Obelisk, der im Jahre 1904 zur Erinnerung an den österreichischen Feldmarschall Leopold Joseph Graf von Daun (+ 1766 in Wien) auf dem Kirchhof zu Kittlitz aufgestellt worden ist.
Ein sehr eindrucksvoller ausführlicher Bericht eines Teilnehmers der Schlacht wurde 1790 in Berlin gedruckt. Er stammt von dem Feldprediger Küster und trägt den Titel Bruchstücke aus dem Campagne-Leben eines preußischen Feldpredigers in den zehn Wochen vor der nächtlichen Schlacht bey Hochkirch den 14ten Oktober 1758 bis Weynachten desselben Jahres.
Der einstige Kaiser Wilhelm II. schenkte "der Gemeinde Hochkirch in dankbarer Anerkennung für die Pflege der Tradition" im Jahre 1905 die Reproduktion eines von Adolf von Menzel geschaffenen Bildes "Friedrich und die Seinen bei Hochkirch 14. Oktober 1758"

Personen bei der Schlacht 1758

(Auswahl)

James Francis Edward Keith (auch Jakob von Keith; * 11./16. Juni 1696 in Peterhead, Schottland; † 14. Oktober 1758 in Hochkirch) war Generalfeldmarschall und einer der wichtigsten Vertrauten Friedrichs des Großen während des Siebenjährigen Kriegs.
Er wurde als zweiter und jüngster Sohn des William Keith, 9th Earl Marischal, (um 1665–1712) und der Mary Drummond (1675–1729), Tochter des James Drummond, 4th Earl of Perth, auf Inverugie Castle bei Peterhead, Schottland, geboren. Er war benannt nach James Francis Edward Stuart (1688–1766), gen. „the Old Pretender“, dem Sohn James II. und dessen zweiter Ehefrau Maria Beatrice d’Este. Sein Bruder war George, Gouverneur des Kantons Neuenburg.

Traditionell eng mit den Stuarts verbunden, beteiligten sich James und sein älterer Bruder an den Jakobitenaufständen, die 1715 und 1719 in Schottland stattfanden, verloren nach deren Fehlschlag sämtliche Titel und Besitztümer und mussten Schottland verlassen.

Nach einiger Zeit des Exils in Italien, Frankreich und Spanien trat Keith in Dienste der russischen Armee, da ihm als Protestanten eine Anstellung in der spanischen Armee versagt blieb. In Russland diente Keith von 1728 bis 1747 unter den Generalen Münnich und Lacy, einem Iren, der ebenfalls als Jakobit seine Heimat verlassen hatte. Er bewährte sich 1737 bei der Erstürmung von Otschakow im Türkenkrieg, wo er verwundet wurde, und im „Krieg der Hüte“ gegen die Schweden in der Schlacht bei Villmanstrand (auch: Wilmanstrand) am 3. September 1741. 1740, nachdem Russland dem Frieden von Belgrad beigetreten war, ernannte Zarin Anna Iwanowna Keith zum Gouverneur der Ukraine.

Keith genoss die Gunst der Zarin Anna Iwanowna, die ihn mehrfach auszeichnete und zum General der Infanterie machte. Nach dem Tod seiner Gönnerin 1740 wendete sich sein Glück. Um den Nachstellungen ihrer Nachfolgerin Elisabeth und den Intrigen ihres Kanzlers Bestuschew zu entgehen, bat er schließlich um seinen Abschied, der ihm im Juli 1747 gewährt wurde.

Er verließ Russland umgehend und ersuchte Friedrich den Großen, in preußische Dienste treten zu dürfen. Friedrich hieß den hochgebildeten und erfahrenen General freudig willkommen und ernannte ihn am 18. September 1747 zum Generalfeldmarschall der preußischen Armee. 1749 wurde er Gouverneur von Berlin. Im Oktober desselben Jahres verlieh ihm der König den Schwarzen Adlerorden.

Keith zählte zu den vom König meistgeschätzten Generälen und wurde deshalb bei Ausbruch des Siebenjährigen Krieges sofort mit wichtigen Aufgaben betraut:

So leitete er die Einschließung und Belagerung der sächsischen Armee bei Pirna und zeichnete sich u. a. in der Schlacht bei Lobositz am 1. Oktober 1756 aus. 1757 kommandierte er im Verlauf der Schlacht bei Prag einen Teil der preußischen Armee, schaffte es, den Gegner einzuschließen, und verteidigte später Leipzig erfolgreich gegen eine erdrückende Übermacht.

1758 gab er nach einigen Misserfolgen, wie der Belagerung von Olmütz, aufgrund seiner angeschlagenen Gesundheit zunächst sein Kommando ab, kehrte aber im Herbst zur Armee zurück. Zusammen mit dem Prinzen Moritz von Anhalt und anderen Generälen versuchte er vergeblich, den König davon abzuhalten, Mitte Oktober in dem taktisch höchst gefährdeten Ort Hochkirch ein Feldlager aufzuschlagen. Bei dem darauffolgenden Überfall der Österreicher (der Schlacht bei Hochkirch) in der Nacht vom 14. Oktober wurde Keith tödlich verwundet (Schuss in den Mund). 

Zunächst in Hochkirch bestattet (hier erinnert noch ein Gedenkstein an ihn), wurde er ein halbes Jahr später in die Gruft der Berliner Garnisonkirche überführt. Dort wurde sein Leichnam 1873 von Adolph Menzel identifiziert und gezeichnet. Nach der Zerstörung der Garnisonkirche im Zweiten Weltkrieg erfolgte 1949 die Überführung der ca. 200 Toten auf den Südwestkirchhof in Stahnsdorf, wo sie in einem Gemeinschaftsgrab, dem sogenannten Garnisongrab, beigesetzt worden sind.

Keith war auch in der deutschen Freimaurerei aktiv: So setzte er beispielsweise 1756 als Provinzialmeister die Loge Philadelphia zu den drei goldenen Armen in Halle a. d. Saale ein.

(Seite „James Keith“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 4. März 2018, 18:24 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=James_Keith&oldid=174691105 (Abgerufen: 22. November 2018, 10:19 UTC))

Leopold Joseph Graf von Daun, Fürst von Teano (* 24. September 1705 in Wien; † 5. Februar 1766 ebenda) war ein kaiserlicher und österreichischer Feldmarschall und Feldherr im Siebenjährigen Krieg.
Leopold Joseph Maria, Reichsgraf von und zu Daun stammte aus dem Adelsgeschlecht der Daun. Seine Mutter war Gräfin Maria Barbara von Herberstein. Nach dem Willen seines Vaters Wirich Philipp Graf Daun sollte er Geistlicher werden, entschied sich dann aber für das Militär und erlebte den Krieg 1718 gegen Spanien auf Sizilien, dann (1734 und 1735) den in Italien und am Rhein und als Generalmajor den Türkenkrieg von 1737 bis 1739. Zum Feldmarschallleutnant befördert, focht er im Österreichischen Erbfolgekrieg anfangs gegen die Preußen in Schlesien, dann unter dem Prinzen Karl Alexander von Lothringen gegen die Franzosen. Im Zweiten Schlesischen Krieg wohnte er den Schlachten bei Hohenfriedberg und bei Soor bei und wurde noch 1745 zum Feldzeugmeister ernannt. In dieser Eigenschaft kommandierte er nach Abschluss des Dresdner Friedens in den Niederlanden die ohne sein Verschulden für die Alliierten unglücklichen Feldzüge von 1746 und 1747.

Um dieselbe Zeit heiratete er Maria Josefa Gräfin Fux (oder Fuchs), verwitwete Gräfin Nostitz und befestigte sich dadurch in der Gunst seiner Monarchin, da deren Mutter (Karoline von Fuchs-Mollard) das Vertrauen der Kaiserin genoss. Daun ließ das Schloss Ladendorf in Ladendorf im Weinviertel in Niederösterreich durch Donato Felice d’Allio mit einem zweigeschossigen Festsaal umgestalten.

Nach dem Aachener Frieden (1748) wurde er mit Entwurf und Einführung einer neuen Heeresorganisation betraut und entwarf das sogenannte Daunsche Reglement von 1749 – eines seiner ehrgeizigsten Projekte. Auch ließ er 1751 die Theresianische Militärakademie zu Wiener-Neustadt errichten. Hier zeigte sich auch erstmals das gute Verhältnis, das das Ehepaar Daun zu den Monarchen hatte. Bereits kurz nach der Eröffnung inspizierten letztere die Institution und nahmen daraufhin ein Mahl in der Dienstwohnung Dauns ein.

1754 zum Feldmarschall ernannt, stand er beim Anfang des Siebenjährigen Kriegs in Mähren, wandte sich sodann gegen Friedrich II., der nach der Schlacht bei Prag diese Stadt eingeschlossen hielt, und lieferte ihm die siegreiche Schlacht von Kolin am 18. Juni 1757, worauf Friedrich Böhmen räumen musste.

Als nach dem Sieg der Preußen bei Leuthen der Prinz Karl von Lothringen auf Drängen des Kaiserpaares von der Armee abtrat, legte die Kaiserin den Oberbefehl in Dauns Hände, worauf er den König am 14. Oktober 1758 bei Hochkirch überfiel und einen Sieg erfocht, den er aber wegen der ihm eigenen Vorsicht und Bedächtigkeit nicht gehörig ausnutzte. Daun beabsichtigte darauf, den Feldzug durch eine rasche Wegnahme Dresdens zu beenden; doch scheiterte sein Projekt an der Wachsamkeit des dortigen Befehlshabers, des Generals von Schmettau. Den Feldzug von 1759 beschloss Daun siegreich mit dem Gefecht bei Maxen, in welchem das 11.000 Mann starke preußische Korps des Generals Friedrich August von Finck gefangen wurde. Im Jahre 1760 beobachtete Daun aus seinem festen Lager unweit Pirna den König, bis dieser durch Laudons Operationen nach Schlesien gezogen wurde, folgte ihm dann nach Sachsen, wo Friedrich Dresden belagerte, und im Spätsommer 1760 nach Schlesien, wo er jedoch durch sein Zögern die Niederlage Laudons bei Liegnitz veranlasste.

In der Schlacht bei Torgau am 3. November 1760 wurde ihm der Sieg durch Zietens kühn erneuerten Angriff und eine eigene Verwundung entrissen. Zu seiner Herstellung begab er sich nach Wien, wo er mit der größten Auszeichnung aufgenommen wurde. 1762 übernahm er wieder den Oberbefehl in Schlesien. So günstig auch die Lage des Königs von Preußen durch den russischen Thronwechsel geworden war, so konnte er doch Daun nicht aus seiner festen Stellung am Zobtenberg vertreiben, dieser aber ebenso wenig den Verlust von Schweidnitz (Belagerung von Schweidnitz) verhindern. Noch während des Krieges hatte Daun das Präsidium des Hofkriegsrats angetreten und war in diesem Wirkungskreis eifrig bemüht, alle Erfahrungen aus sieben Feldzügen auf seine schon früher in Angriff genommenen Reformen anzuwenden.

Die Beziehung zur Kaiserin stellt eine Schlüsselposition in der Bewertung des Daun’schen Handelns dar. Sie gestaltete sich vollkommen konträr zu seinem ehemaligen Befehlshaber Karl von Lothringen, der ihn zum Schluss seiner eigenen Karriere als Quertreiber beschrieb. Daun machte es sich mit zunehmendem Einfluss zur Gewohnheit, der Kaiserin mindestens einmal täglich zu schreiben. Allerdings tat er dies direkt nur, wenn er Erfreuliches zu vermelden hatte. Wollte er Kritik äußern, schrieb er stets an deren Sekretär, der dies dann indirekt weitergab. Von besonderem Vertrauen in Dauns herausragende Detailliebe und sein Organisationstalent zeugt auch der Auftrag zur Gründung der oben bereits erwähnten Militärakademie. Es gab zu diesem Zeitpunkt am theresianischen Hof nämlich durchaus Feldmarschälle, die diese Aufgabe ehrenhalber hätten übernehmen können.

Genau diese enge Bindung an die Kaiserin wurde ihm jedoch im Nachhinein betrachtet auch zum Verhängnis. Aus dem intensiven Schriftverkehr mit Wien geht hervor, dass es seine größte Angst war, das Vertrauen des Kaiserpaares zu enttäuschen und das bisher Errungene durch waghalsige Operationen wieder zu verlieren. Sein Handeln ist also immer unter einer großen Versagensangst zu sehen.

An Popularität war dem österreichischen Fabius Cunctator, wie man Daun nannte, sein Waffengenosse Laudon überlegen, während Daun nicht ohne Eifersucht gegen Laudons Erfolge demselben Lacy vorzog. Daun war ein tüchtiger General; er besaß jedoch den Fehler allzu großer Bedächtigkeit, weshalb er die errungenen Siege nicht energisch genug verfolgte. Seinem raschen Gegner war er deshalb nicht gewachsen. Daun war ein Meister in der Auswahl und der Besetzung von Stellungen; Friedrich der Große nannte ihn zwar spöttisch „la grosse excellence de Kolin“, sah in ihm aber gleichwohl einen ernstzunehmenden Gegner.

Nach Daun wurde die Kaserne des Österreichischen Bundesheeres in Wiener Neustadt als Daun-Kaserne benannt. Johann Nepomuk Fuchs widmete ihm den Feldmarschall-Daun Marsch.

(Seite „Leopold Joseph von Daun“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 3. September 2018, 19:10 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Leopold_Joseph_von_Daun&oldid=180606463 (Abgerufen: 22. November 2018, 10:24 UTC))

Siegmund Moritz Wilhelm von Langen (* 1706 auf Hausberge bei Minden; † 21. Oktober 1758 in Bautzen) war ein preußischer Stabsoffizier.
Er wurde als sechstes von sieben Kindern des kgl. Oberjägers und Gutsbesitzers Johann von Langen und seiner Frau Catharina Margarethe von Spiegel zum Desenberg auf dem Langen'schen Hof in Hausberge geboren. Getauft wurde er als „Simon Moritz Wilhelm“ von Langen am 23. Juni 1706 in Minden, St. Petri.

Mit 15 Jahren trat Langen am 19. März 1721 in Berlin als Kadett in preußische Dienste ein und wurde dem Infanterie-Regiment von Kröcher zugeteilt. 1736 verließ er die Armee wieder, da die gewünschten Beförderungen wohl zu langsam vorgingen. Als jedoch Friedrich der Große bald nach seinem Regierungsantritt die Armee bedeutend vergrößerte, meldete sich auch Langen wieder zum Eintritt. Dieses Mal wurde er in das neu aufgestellte Regiment zu Fuß „Markgraf Heinrich von Brandenburg“ eingereiht. 1750 wurde er Hauptmann und bekam eine Kompanie im Infanterie-Regiment „Markgraf Karl“. Zum Major ist er wahrscheinlich erst nach der Schlacht bei Leuthen, in der er verwundet wurde, befördert worden. Mit seinem Regiment nahm er auch an der Belagerung von Olmütz teil.

Bekannt wurde Langen durch seine Rolle in der Schlacht bei Hochkirch am 14. Oktober 1758. Er verteidigte mit dem zweiten Bataillon des Infanterie-Regiments „Markgraf Karl“ den Friedhof gegen eine sieben- bis achtfache Übermacht. Trotz stundenlanger Angriffe ergaben sich die Preußen nicht. Als dem Bataillon die Munition ausging, gab Langen am Morgen den Befehl zum Ausbruch. Nur wenigen gelang dies, Langen selbst wurde schwer verwundet und geriet in österreichische Gefangenschaft. Am 21. Oktober 1758 erlag er in Bautzen seinen Verletzungen.

Langen ist einer der wenigen preußischen Stabsoffiziere, die sich in der Reihe der Generäle auf dem 1851 enthüllten Reiterstandbild Friedrichs des Großen von Christian Daniel Rauch in Berlin (heute in der Straße „Unter den Linden“) finden. In Hochkirch wurde 1903 zwischen dem Kirchhoftor und der Kirche selbst ein Obelisk aufgestellt, mit dem Major Simon Moritz von Langen geehrt wird, der „diesen Kirchhof mit dem 2. Bataillon des Regiments Markgraf Karl gegen zehnfache Übermacht bis zur Vernichtung seiner Mannschaft verteidigte“.

(Seite „Siegmund Moritz Wilhelm von Langen“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 14. September 2017, 19:59 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Siegmund_Moritz_Wilhelm_von_Langen&oldid=169098373 (Abgerufen: 22. November 2018, 10:27 UTC))

Schlacht bei Hochkirch

Gedenken an die Schlacht bei Hochkirch

(Auswahl)

Predigt zum 150. Gedenktage der Schlacht bei Hochkirch den 14. Oktober 1908 nachmittags 5 Uhr in der Kirche daselbst von C.A. Kubitz, Pastor

"Gedenke der vorigen Zeit bis daher und betrachte, was Er getan hat an den alten Vätern. Frage deinen Vater, der wird dir's verkündigen, deine Aeltesten, die werden dir's sagen." (5. Mose  32,7)

Patriotische Gedenktage zu feiern, liegt in der Stimmung der Zeit. Geschichtlich bedeutsame Tage zu begehen, darf man nicht abweisen; das ist gut und schön für jung und alt, denn da ziehen große Ereignisse, ergreifende und belehrende Bilder an unserer Seele vorüber, da versenken wir uns in Zeiten und Verhältnisse unserer Väter, um von ihnen zu lernen. Die Geschichte ist eine gute Lehrmeisterin. Laßt sie uns pflegen, diese schöne Zeitsitte. Haben wir doch erst vor Kurzem von allerhöchster Stelle aus durch das bedeutsame Geschenk des herrlichen Bildes aus unserer Hochkircher Vergangenheit neue Anregung zur Betätigung vaterländischen Sinnes "aus Dankbarkeit für die Bewahrung der Tradition" erhalten. Unser liebes Hochkirch hat in der vaterländischen Geschichte weit und breit wichtige Bedeutung gewonnen. Als wir vor drei Jahren das Dritte der Denkmäler da draußen vor den Mauern dieses Gotteshauses weihten, da weilten in unserer Mitte gar große Männer aus der Nähe und Ferne, aus des deutschen Vaterlandes fernsten Marken in Ost und West, wie auch aus den deutschen Städten des nachbarlichen Bundesstaates. Was für edle Begeisterung wogte damals durch unsre Reihen; wie brauste des Vaterlandes Hoch aus unsrer Mitte; wie flammte Mannesmut aus Herz und Augen derer, die sich auf den Gräbern der Vorfahren andachtsvoll in Heldenzeiten versenkten. Kein Wunder, wenn man schon damals hier und da der Gedanke keimte, den 150. Gedenktag der Schlacht könne man unmöglich vorüber gehen lassen, ohne nochmals daran zu gedenken, was einst hier an dieser geweihten und geschichtlichen Stätte unseres Friedhofs und unseres Gotteshauses geschehen.Wir verstehen's, wenn uns mehrfach von nach und fern Anfragen zugingen, obe denn nicht dieser bedeutsame Tag heute begangen werden sollte. Ja gewiß, das stand von vorn herein fest: begangen, gefeiert soll dieser unvergeßliche Tag werden. Aber freilich nicht in der Weise, wie man heutezutae gerne Feste feiert, nämlich als Anlaß zu äußeren Aufzügen, Gelegenheit zu Vergnügen und Lustbarkeiten. Der Tag ist für uns Bewohner von Hochkirch und Ungegend ein gar sehr ernster. Darum stand es im Kreise der maßgeblichen Männer fest, festlich begangen soll er werden, aber nur in einer seiner unvergeßlichen Bedeutung würdigen Weise. Der Ausdruck solchen Willensbeschlusses ist dieser Feierliche Gottesdienst, in dem Vereine und Kirchengemeinde sich im Mittelpunkte unseres Gemeindelebens, ander Stätte, die vor 150 Jahren der Schauplatz des fürchterlichsten Ringens gewesen, zusammenfinden und zur heiligen Feier erheben. Hier in andachtsvoller Stille wollen wir unter Gesang und Gebet Bilder einer großen Zeit an unserer Seele vorüberziehen lassen unter dem Losungsworte:
Gedenke der vorigen Zeit bis daher und betrachte, was Er getan hat an den alten Vätern.
I. Wir gedenken an furchtbare Drangsale, die unsere Väter erlebt
II. Wir blicken auf reiche Segnungen, mit denen Gott sich verherrlicht an uns
III. Wir beherzigen ernst Mahnungen, die der heutige Tag uns ans Herz lebt.

I.
"Gedenke der vorigen Zeit!" - Wie mag's heute vor 150 Jahren nachmittags um 5 Uhr an dieser Stätte ausgesehen haben? - Was sich früh morgens um 5 Uhr ereignet hat, das ist weltbekannt: Der große Friedrich, der größte Mann seiner Zeit, wurde hier überfallen, geschlagen, besiegt, hier auf Hochkirchs blutgetränkter Wahlstatt. Wie ist das zugegangen? Ich kann's euch heute nicht noch einmal erzählen. Ein jeder kann's ja lesen. Aber wie sah's am 14. Oktober nachmittags um 5 Uhr hier in diesem Gotteshause, hier auf dem Friedhof, hier auf dem sonst so stillen Dörflein, hier im friedlichen Wendenlande aus? - - Furchtbar, grauenvoll, entsetzlich! "Frage deinen Vater, der wird dir's verkündigen!" Ja, sie haben's uns erzählt, unsre Väter, daß dieser gottgeweihte Raum angefüllt gewesen mit schwer verwundeten, schmerzvoll ächzenden Streitern,, die in diesem Friedensraum den letzten Kampf gekämpft mit dem letzten Feind, dem Tod. Sie haben's uns erzählt, daß hier auf den Kirchenbänken noch Jahrzehnte hinaus dem sich bewegten Fremdling und Wanderer die Blutflecken von damals gezeigt worden sind. Sie haben uns erzählt,  daß hier der berühmte Marschall Keith, der Liebling Friedrichs,  in einem Sarg mit der am Tage vor der Schlacht verstorbenen Frau von Warnsdorf auf Rodewitz gebettet worden, weil man für ihn hat keinen Sarg auftreiben können; daß ergraute Helden aus Feindesreihen unter Tränen den großen Toten, dessen geschmücktes Denkmal das Gotteshaus ziert, unter Kanonendonner die letzten Ehren erwiesen, als man den nackten Leichnam in die Kirche getragen. -  Da draußen auf der Straßen lag der wackere Major von Langen, "der Held von Hochkirch", auf einem elenden Karren, gemeinsam mit seinem tapferen Kameraden Leutnant von der Marwitz, aus elf Wunden sich verblutend, um dann auf Bautzends Taucherfriedhof sein letztes Ruhekämmerlein zu finden, nachdem er die "Zitadelle von Hochkirch" bis auf den letzten Mann verteidigt. - Hier daneben, die bekannte Blutgasse, von der uns die Väter erzählen, daß das Blut der Erschlagenen wie ein gewaltiges Wasser den Berg hinab aus ihr geflossen. Gestrichen voll bis auf den Rand der hohen Kirchhofsmauer soll sie angefüllt gewesen sein mit Erschlagenen der stolzen österreichischen Regimenter Clerici, Bathiany, Starhemberg, Alt-Coloredo, Arberg, Los-Rios und Puebla, sowie der sieggewohnten preußischen Grenadiere. - Dort draußen vor dem Dorfe lag der Prinz Franz von Braunschweig, von einer Kanonenkugel hinweggerafft, mitten unter hundert seiner Braven, und nicht weit davon mußte Fürst Moritz von Anhalt schwerverwundet vom Platze getragen werden. - Die einander im Dunkel des Morgengrauens an die Bärenmützen und Blechhauben gegriffen, um Freund vom Feind zu unterscheiden, sie lagen im Tode umschlungen und verbluteten röcheld unter furchtbaren Wunden. - Wie sah's im Orte aus? Lohende und reuchende Trümmer in allen Gassen. Was der Menschen fleißige Hand Jahrzehnte und Jahrhunderte lang emsig geschafft und gebaut, in wenigen Stunden ein Trümmerhaufen, Schutthaufen, der seine Lohe und Rauch am Turme leckend gen Himmel emporsteigen läßt. - Da blasse, weinende, verstörte Menschenkinder, schuldlos an dem namenlosen Elend. Er wird erzählt, daß sie vor Angst sich in die Grüfte der Kirche geflüchtet und dort bebend geharrt, bis der Schlachtenlärm und Donner verhallt war. Mancher hat sein Heim kaum wieder erkannt, ein anderer hat sein Hab und Gut schonungslos vernichtet und verbrannt wiedergefunden. Wie ein Klagelied aus schweren Tagen lauten die Worte über der Haustür des Pfarrhauses: "Im Kriege brannt' ich nieder." An 5000 Tote und 9000 Verwundete bedeckten das Schlachtfeld. Ein Bild des Jammers und des Entsetzens, des Elends und des Grauens. Wie hat diese Flut der traurigsten Drangsale weithin in die blühende Landschaft ihre verderblichen Wogen gerollt. Schriftsteller, Pfarrer und Kirchenbücher damaliger Zeit haben haben uns ergreifende Schuilderungen der Not aus jenen Tagen überliefert. Alle die Ortschaften zwischen Hochkirch, Bautzen und Kleinbautzen bis nach Baruth hin waren in einer wüsten und wilden Brandschatzung der hungrigen und darbenden Soldaten preisgegeben, der selbst der große König nicht hat Einhalt gebieten können. - Was für Drangsale unsre Vorfahren damalsüber sich haben ergehen lassen müssen, davon vermag sich niemand in der Jetztzeit, in der Kriege menschlicher geführt werden eine Vorstellung zu machen. -
Was soll ich euch nun noch sagen von dem inneren Weh und dem Jammer, welchen der Tod auch nur eines Helden mit sich gebracht? Hatte doch jeder sein Mütterlein daheim oder die Gattin, oder liebe Geschwister und Angehörige, die wohl kaum jemals erfahren, wo und wie das geliebte Herz zu schlagen aufgehört, und wo ihr Held in fremder Erde heimgebettet ist. Und wie viel scheußliche Leidenschaften mögen entfacht und entfesselt, wie viel Christenherzen verwildert und vertiert worden sein in der Not einer zügellos gewordenen Soldateska. - - Ja, meine Freunde, wir haben wohl Ursache genug, den heutigen Gedenktag im Stillen Ernst der Andacht und nicht im Jubel leichtfertigen Lebensgenusses zu begehen. Frage deinen Vater, der wird es dir verkündigen.
Doch ganz wollen wir der Freude an solch einem Tage nicht wehren. Wir dürfen ja auch
II.
blicken auf reiche Segnungen, mit denen der himmlische Vater sich verherrlicht an uns. Ueber die grauenvollen Bilder des rauchenden Hochkirchs von damals lächeln uns heute heitre Landschaften im goldenen Glanze der Herbstsonne zu. Welch ein Gegensatz zwischen damals und heute! Jener Spruch über der Tür des Pfarrhauses lautet im zweiten Teil: "Der Friede baut mich wieder." Und an einem anderen Haus steht geschrieben: "Krieg und Brand löscht Gott mit milder Hand." Ja, frage nur deinen Vater, er wird es dir verkündigen. Unser teures Gotteshaus mit seinem schlanken, weit in die Umgegend sichtbaren Turm, ein Wahrzeichen des Segens von Oben, ein steinerner Finger nach Oben, es ist damals verschont geblieben, obwohl die eisernen Kugeln in seinen Mauern davon zeugen, in welcher Gefahr es gestanden. Der Toten Menge hat ein Stilles Grab gefunden. Die furchtbaren Wunden, die mancher davongetragen, sind verharscht. Die ungesehenen Wunden im Herzen sind auch mit der Zeit vernarbt. Der verhängnisvolle Birkenbusch um Hochkirch ist ausgerodet, und die große Schanze, die damals Tod und Verderben ins Dorf gespien, ist heute ein lieblicher Aussichtshügel, von dem aus man gern ins gesegnete Gelände hinausschaut. Und rings im Kranze lieblicher Büsche und Felder lächeln dir trauliche Dörflein der einzig schönen Lausitz zu wie aus einem gesegneten Gottesgarten, als hätte diesen geweihten Boden nie eines Panduren Fuß entweiht, nie der Massentritt eines stürmenden Regiments zertreten, als berge das Ackerland und die Wiese kein verrostetes Gewehr oder Schwert oder keine Kugel als Zeichen furchtbarer Greuel der Verwüstung. Hundertfünfzig Jahre, was haben sie für Wandel dem Volk und Vaterland gebracht! Wohl waren noch Krieg und Kriegsgeschrei nicht verhallt in der lieben Heimat. Nach einem halben Jahrhundert kamen des großen Napoleon schonungslose Garden und haben gar arg gehaust auch in unserm lieben Hochkirch. Spuren ihrer Axt kannst du noch heute hinter dem Altar an der Sakristei-Tür sehen. Der gewaltige Sieger in der Schlacht bei Bautzen hat auch unsern Ort aufgesucht und, wie unverbürgt erzählt wird, in der Nacht vom 4. zum 5. September 1813 im Pfarrhause genächtigt. Hierbei soll er den damaligen Pfarrer gefragt haben: "Die Bewohner von Hochkirch, sind sie Christen oder Lutheraner?" Wie hat der liebe himmlische Vater in der Schule schwerer Kriegsdrangsale sich gerade diese erzogen zu gläubigen, lebendigen Kindern Gottes, zu aufrichtigen evangelisch-lutherischen Christen, die noch heute als gehorsame, vertrauensvolle Glieder der Kirche vor vielen anderen sich auszeichnen durch Gottesfurcht und Frömmigkeit, durch Arbeitsamkeit und Opferfreudigkeit, durch Vaterlandsliebe und Königstreue. Wie haben sie im Glauben, Lieben und Hoffen die Scholle der Väter angebaut, gehegt und gepflegt, daß du nun von unsern Bergen aus mit Bewunderung und Entzücken hinabschauen darfst als einen Garten Gottes und mit frohem Stolze sprechen: "Das ist meine Heimat!" -  Das ist vom Herrn geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen. - Da steht das dritte Denkmal vor der Kirche. Wovon zeugt dies? Daß aus unsrer Mitte Männer hinausgezogen sind in großer Zeit, unsre Väter und Söhne, in den heiligen Krieg fürs Vaterland, in den Heldenkampf für die Freiheit und Einheit. "Die Opfer, die ihr gebracht, Uns haben sie einig und stark gemacht." So steht's auf dem Denkmal. Ja, frage nur deinen Vater, der wird dirs verkündigen. Auf die unendliche Fülle von Segnungen, mit denen Gott sich an uns verherrlicht, wollen wir heut am Gedächtnistage von Hochkirch hinschauen mit innigem Dank. Denn es ist nicht schwer, geschichtlich nachzuweisen, daß der Tag von Hochkirch die Einleitung gewesen zum Tag von Sadowa und dem Tag von Sedan. All die herrlichen Begebenheiten der so reichen vaterländischen Geschichte, die nie ausgesungen werden, müssen heute mit einem:
Der Herr hat alles wohlbedacht
Und alles, alles wohlgemacht.
Gebt unserm Gott die Ehre!
durch unsre Seele ziehen. Und all das Kämpfen und Ringen der unruhvollen Gegenwart, es muß sich auflösen in den Akkord: Der Herr hat Großes an uns getan, des sind wir fröhlich. Wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn, Herrn, der vom Tode errettet. Ja, wenn nur das als Frucht einer solchen Feier von recht vielen mit heimgenommen würde! - Darum gilt es
III.
ernst Mahnungen zu beherzigen, die der heutige Tag uns ans Herz legt. Muß nicht der große Gott, der König aller Könige, der noch nie was versehen in seinem Regiment, der noch nie eine Schlacht verloren, klagen - klagen auch über unser Volk, an dem er Wunder getan: "Bin ich nun Gott, wo ist meine Furcht; bin ich nun Vater, wo ist meine Ehre?" Jener große Friedrich hat sich nicht entmutigen lassen durch die schwer verlorene Schlacht. Als bei dem Rückzug bei Pommritz seine Artilleristen an ihm ohne die verlorenen Geschütze vorüberzogen, da ruft er ihnen zu: "Bursche, wo habt ihr eure Kanons?" da antworten diese ihm: "Die hat der Teufel bei Nacht geholt!" Der König ruft ihnen zuversichtlich zu: "Wir werden sie uns bei Tage wiederholen, und ich werde dabei sein." Mit neuem Mut und Ausdauer hat er sofort sein großes Ziel von neuem zäh verfolgt und hat nicht geruht, bis er es erreicht, sein Königreich groß gemacht und sich Anerkennung und Bewunderbung bei Freund und Feind erzwungen. Wie viel mehr der ewige Gott, vor dem sich beugen müssen Aller Kniee. Es scheint gegenwärtig, als ob man ihn entthronen und absetzen könne, denn unsere Zeit will nicht mehr an seine Macht und Herrlichkeit glauben. Aber solchem Widersprechen des Unglaubens ruft ein solcher Tag wie der heutige aus der Geschichte zu: "Gedenke der vorigen Zeit und bis daher und betrachte, was Er getan hat an den Vätern." Gibt es einen Gott? So fragen die Ungläubigen der Neuzeit. Ich meine, diese Frage ist gerade so lächerlich, als wenn jemand nach der Schlacht bei Hochkirch hätte fragen wollen ob es einen Friedrich den Großen noch gäbe? Unser Geschlecht ist ganz anders geartet, als wie es im Zeitalter des großen König war. Die Ideale der Selbstverleugnung, des Sichaufoferns, der Unterordnung und Hingabe an einen höhern, zielbewußten Willen kennt es nicht. Es mag und will keine Autorität , keine Unterwerfung, keinen Gehorsam. Es sind Himmelsstürmer und Thronesstürzer; dabei Genußmenschen, die nicht Besseres und Höheres kennen, als Haben und Genießen, sich ausleben und die Lüste befriedigen. Das Bewunderungswürdige an Friedrichs Armee war die Disziplin, die eiserne Zucht. Darin lag das Geheimnis seiner Macht und seiner Erfolge. Wollen wir unsern Vätern ähnlich werden in ihrer Größe, so lasset uns nicht vergessen, daß wir ihnen wieder ähnlich werden müssen in den Tugenden der Gottesfurcht, der Demut, des Gehorsams und der Hingabe des Willens an den allmächtigen und allweisen Welten- und Schlachtenlenker, den ewigen Gott. - Ein hervorragender Held ist es gewesen, ohne dessen Wachsamkeit und Treue bei Hochkirch vielleicht alles verloren gewesen wäre. Das war der alte bewährte General Ziethen, der beim "Schlüssel" mit seinen Husaren gewacht und nicht hatte absatteln lassen. Er war der eigentliche Retter in der allgemeinen Verwirrung, denn er war doch der einzige Wachsame in der unbegreiflichen Sorglosigkeit. Einst hatte ihn sein König, der bekanntlich kein Mann von Glauben gewesen, um seines Glaubens Willen verspottet. Da hatte der fromme Zeithen die schöne Antwort: "Es hat Eurer Majestät Sache wohl noch nie etwas geschadet, wenn ich mit meinen Husaren unter Gesang des Liedes: Auf Gott und nicht auf meinen Rat, in den Feind dreinhieb." "Er hat recht, Ziethen!" lautete des Königs Antwort. Ja, er hat recht, der alte Haudegen, und wird recht behalten. Drum "frage deine Aeltesten, die werden dir's sagen". Bei der heutigen Feier wollen wir aber die Blicke nicht blos schweifen lassen auf das blutgetränkte Schlachtfeld da draußen, sondern sie hinlenken auf das Schlachtfeld da drinnen im Herzen, wo die entscheidungsvollsten Schlachten geschlagen werden. Da soll es am Abend heißen wie am Morgen: Helm ab zum Gebet! Ich bete an die Macht der Liebe.
Sing', bet' und geh' auf Gottes Wegen, verricht' das Deine nur getreu und trau des Himmels reichen Segen, so wird er bei dir werden neu, denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verläßt er nicht.
Amen.

Der Gedenktag von Hochkirch
(aus: Bautzener Tageblatt, 16.10.1933, Beiblatt)

Mit einer bemerkenswerten Andacht und Hingabe, mit pietätvollen Versenken in die großen Ereignisse der deutschen Geschichte wurde am Sonnabend und Sonntag ein Gedenktag begangen ... . Die Gemeinde Hochkirch feierte die 175. Wiederkehr des denkwürdigen Ueberfalls vom 14. Oktober 1758, dessen Verlauf und geschichtliche Bedeutung in diesen Spalten bereits eingehend gewürdigt worden ist, und rief damit die Erinnerungan Zeiten und Verhältnisse wach, die zu manchem nachdenklichen Vergleich mit der Gegenwart zwingen. Aber dieser Vergleich bringt nicht nur einen Gegenüberstellung von einst und heute, sondern birgt zugleich einen Trost und weckt Mut und Kraft zu neuem Lebenswillen ...
Der Auftakt
Die Gemeinde hatte alle Hände angelegt, um dem Gedenktag einen festlich-würdigen Rahmen zu geben. Reich geschmückt war der gesamte Ort, der Friedhof, die Heldendenkmäler und das Innere des Gotteshauses. Vor dem Eingang zum Friedhof befanden sich neben Girlanden zwei Kränze, der eine mit der Jahreszahl 1758 und der andere mit der Jahreszahl 1933. An den Festtagen erfolgte abends die Anstrahlung des historischen Gotteshauses, das damit einen besonders wirksamen Anblick bot.
Die Gebrüder Mros hatten in dem Schaufenster der Firma A. Mros eine Bastelarbeit ausgestellt. Diese stellte die Kirche zu Hochkirch das und wurde am Abend beleuchtet. Zu erwähnen ist hierbei, daß der Turm aus einemStück Holz vom alten Glockenstuhl der Kirche angefertigt worden ist. An dem Grundstück am Ortseingang von Löbau her war ferner der Namenszug des Preußenkönigs angebracht: F.R. mit der Preußenkrone und die Jahreszahl 1758, darunter ein Eichenkranz. Das Ganze wurde auch hier von innen beleuchtet.
Die Ortseingänge und auch die Eingänge zum Friedhof waren am Freitag von Wachen der Preußengrenadiere besetzt. Im Eingang zur Kirche befand sich eine Ausstellung der alten Uhr, welche am 14. Oktober 1758 die unglückliche Stunde 5 Uhr verkündete. Die Uhr ist im Jahre 1751 vom uhrmacher Mieth in Niethen angefertigt worden. Ferner befanden sich in der Ausstellung Scherenschnitte von Ernst Bräuer, Dresden, welche verschiedene Schlachtenszenen darstellten. Ebenso waren ein altes Gewehr, Hellebarde, Kannonen-, Flinten- und Kartätschenkugeln ausgestellt, desgleichen ein Schlachtenplan sowie eine Uebersicht über die Vorgänge des Jahres 1758. Auch verschiedene Bilder waren ausgestellt. Herr Hobian, Hochkirch, hatte diese Ausstellung zusammengebracht und damit dazu beigetragen, den Gästen etwas aus Hochkirchs Vergangenheit zu zeigen.
Im Mittelpunkt der Veranstaltungen des Sonnabends stand der
Festabend
der abends 8 Uhr in Stanges Gasthof seinen Anfang nahm. Schon lange vor Beginn des Abends war der gewiß geräumige Saal bis auf den letzten Platz besetzt, und immer strömten von nah und fern neue Scharen heran, sodaß jedes Plätzchen ausgenutzt werden mußte und so mancher Besucher zur Umkehr verurteilt war. Der Saal selbst war festlich geschmückt, die Besucherschaft befand sich in einer festlich gehobenen Stimmung. Zahlreiche Ehrengäste hatten sich eingefunden, an ihrer Spitze die Herren Amtshauptmann Dude und Schulrat Löbel-Löbau, Regierungsrat Dr. Vater-Bautzen, als Vertreter der Reichswehr Hauptmann Westmann-Bautzen und Hauptmann Heidrich-Löbau. Erster Bürgermeister Dr. Ungethüm und Superintendent Jagsch-Löbau, ... usw.
Die Sturmbannkapelle Löbau gab der Veranstaltung mit zahlreichen Märschen aus alter udn neuer Zeit einen der Bedeutung des Tages angepaßten stimmungsvollen musikalischen Rahmen und eröffnete den Abend mit flotten Marschweisen, von denen der k.u.k. Marsch "Unterm Doppeladler" den offiziellen Beginn des reichhaltigen Programms bildete.
Unter der Leitung des Lehrers Wehle sang der Männergesangsverein in schönem Zusammenklang den weihevollen Bundeschor "Brüder, reicht die Hand zum Bunde", worauf Herr Bürgermeister Fiebiger in kurzen, aber markigen Worten den Willkommensgruß der Gemeinde entbot. Er begrüßte auch besonders Vertreter der Behörden, der Reichswehr, den Verfasser des Festspiels, Herrn Erich Janke-Görlitz, die Presse ... . Der Zweck des Abends sei, geschichtliches Erleben in Wort und Bild vor Augen zu führen und insbesondere auch derer zu gedenken, welche vor 175 Jahren für die größe des Vaterlandes stritten und den Heldentod fanden. Der tiefere Sinn der ganzen Veranstaltung sein eine Heldengedenkfeier. Wer seine Helden nicht recht ehrt, sei nicht wert, zu leben. (Der) Redner schloß mit dem Wunsche, daß die Erinnerung an die Helden von Hochkirch allezeit fortleben möge und den deutschen Herzen.
Herr Amtshauptmann Dube würdigte hierauf in einer längeren Ansprache die Bedeutung des Tages von Hochkirch. Zunächst dankte er im Namen sämtlicher Behördrn für die Worte freundlicher Begrüßung, übermittelte auch die Grüße des Herrn Amtshauptmann Dr. Siepert-Bautzen und sprach beste Wünsche für einen würdigen Verlauf der ganzen Feier aus. Der 14. Oktober 1758 sein ein dies ater ["schwarzer Tag"], wie nur wenige in den Annalen der deutschen Geschichte verzeichnet sind. Der siegreiche Preußenkönig, stolz, siegesbewußt und etwas trotzig, vielleicht auch etwas verächtlich auf seinen Gegner, Feldmarschall Daun, herabsehend, bezog hier eine außerordentlich gefährdete Feldlagerstellung. In der Frühe, bei Nacht und Nebel durch Daun mit seinen Truppen ... überfallen, erlitt er schwere Verluste. Zu diesem schweren Kampfe aus seinem Quartier sofort herbeigeeilt, mitten unter seinen Truppen, mit seinen Getreuen in vollem Gefecht stehend, befehlend, anfeuernd, umleuchtet von der Lohe brennender Gehöfte, so wie er dargestellt ist auf dem Gemälde eines der bedeutendsten Maler des Siebenjährigen Krieges, Adolf Menzel, das die hiesige Kircheihr eigen nennen kann . ein Gemälde, an dem Wilhelm II. besonders gehangen hat -, so sehen wir ihn, mutig im Gefecht und nicht verzweifelnd. Selbst im Unglück ein großer König, ein Held, dem Helden gehorchen. Nicht verzweifelt durch den Tod eines seiner Getreuen, des Feldmarschalls Keith, der mit zu seiner Tafelrunde von Sanssouci gehörte. Nicht zusammengebrochen durch den schweren Schlag, sondern sofort wieder gefaßt, seine Truppen wieder in Ordnung zurückgebracht auf die Straße nach Bautzen, die Saumseligkeit und den Siegestaumel Dauns ausgenutzt, nach Schlesien marschiert, Neiße besetzt und schließlich Schlesien erobert. Dieser Erfolg überstrahlt den Unglückstag des Siebenjährigen Krieges vom 14. Oktober. Dieser Erfolg, der Zweck und Ziel des gnazen Siebenjährigen Krieges war: die Eroberung von Schlesien. Dieser Erfolg berechtigt uns auch dazu, den heutigen Tag würdig zubegehen und dabei des siegreichen Friedrichs des Großen, des Einzigen zu gedenken, des Eroberers von Schlesien. ...
Dann trat man in den zweiten Teil des Abends ein, die Aufführung des Heimatspiels: "Der Ueberfall von Hochkirch", das damit seine Uraufführung erlebte. Herr Erich Janke-Görlitz schickte der Aufführung eine kurze Erklärung voraus, die unter Hinweis auf seine Vorfahren im Pfarrhaus zu Hochkirch seiner Verbundenheit mit Hochkirch gewidmet war ... . Herr Lehrer Schumann aber führte sich und die kommende Handlung mit einem ebenso geistreichen wie originellen Vorspruch als Spielleiter ein.
Erich Janke hat seinem Stück, das als ein echtes und rechtes Heimatspiel anzusehen ist, eine außerordentlich liebevolle Vertiefung und Bearbeitung zuteil werden lassen. Feine Milieuzeichnung auf warmherziger nationaler Grundlage scheint seine starke Seite zu sein. In sechs größtenteils wohlgelungenen Bildern läßt er Schloß Kittlitz mit dem österreichischen, Schloß Rodewitz mit dem preußischen Hauptquartier, eine preußische Feldwache vor Rodewitz und eine nächtliche Szene vom Friedhof von Hochkirch aufmarschieren und verflechtet diese historischen Stätten mit dem rauhen Geschehen der damaligen Tage zu einer in sich geschlossenen Handlung, deren einfache Konstruktion doch nicht ihre dramatische Wirkung beeinträchtigt. Im Schloß zu Kittlitz ist General Daun mit seiner Suite bei der preußenfeindlichen Baronin v. Huhn gut aufgehoben. Man wohnt einem Kriegsrat der Daunschen Offiziere bei. Graf Lasen, Laudon, Forgatsch und andere treten auf. Ein ... Handelsmann - dessen Rolle allerdings etwas breit angelegt ist - betätigt sich unter allgemeier Heiterkeit als echter Mauschel. Im 2. Bild schürzt sich bereits der Knoten. Die junge Baronesse Therese, die einst in glücklichen Tagen in Rheinsberg mit dem großen Preußenkönig zusammentraf, schwärmt seitdem für den schlichten, sparsamen, Charaktervollen Gegenspieler des verschwenderischen Volksausbeuters Brühl, bekennt sich der preußenfeindlichen Mutter gegenüber offen als Pateigängerin des großen Friedrich und opfert schließlich ihr junges Leben, um den König, der eigentlich ein Feind ihres Vaterlandes ist, vor dem Verrat der Oesterreicher zu warnen. Wir sehen sie im Kampf mit einer preußischen Feldwache, die sie nicht zum König lassen will, wir erleben eine dramatische Auseinandersetzung zwischen dem sorglosen Friedrich und dem argwöhnischen Ziethen, wir besuchen mit dem alten Fritz den tapferen Major v. Langen auf dem Friedhof von Hochkirch und wir folgen schließlich dem großen Friedrich nochmals in sein Hauptquartier in Rodewitz, wo die Baronesse v. Huhn in einem ergreifenden Bekenntnis zum Preußenkönig, den sie warnen wollte, ihr Leben aushaucht, während im Salvenfeuer der Oesterreicher das Verhängnis über Friedrich hereinbricht.
Trotz mancher nch vermeidbaren Breite erweist sich Erich Janke immerhin als ein bphnengewandter Routinier, der auch einfachen Dingen eine starke Wirkung abzugewinnen weiß. Seine Sprache idt namentlich an den lyrischen Stellen von einem schönen poetischen Schwung, der mit fortreißt.
Die Aufführung selbst war in wochenlanger Vorarbeit mit Liebe und Sorgfalt vorbereitet worden, und der Spielleiter, Herr Lehrer Schumann, darf für sich in Anspruch nehmen im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten darstellerisch und szenisch das geschaffen zu haben, was überhaupt darauszuholen war.

(Rollen: Alter Fritz - Lehrer Kleeberg, Feldmarschall Daun - Herr Frindt aus Pommritz, General v. Ziethen - Herr Forkel aus Hochkirch, Graf Lasen - Gerhard Husack aus Hochkirch, Feldmarschall v. Laudon - Hermann Kockel aus Hochkirch, General v. Forgatsch - Lehrer Kleeberg [Doppelrolle], Major v. Langen - Herr Ziedrich, Kapitän v. Seeheim - Erich Lorenz aus Pommritz, Baronin v. Huhn - Frau Höfer aus Pommritz, Baronesse v. Huhn - Marianne Gallert aus Pommritz, "getreuer Eckehard" - Herr Höfer aus Pommritz, preußischer Spion Kirch - Walter Rentsch, Kaufmann - Walter Keck)

...
Der Sonntag wurde eingeleitet mit einem Wecken durch den Spielmannszug des Militärvereins, welche in der schmucken Friedensuniform der Infantrie in Hochkirch und der Umgebung Reveille schlugen.

Der Festgottesdienst
in der historischen Kirche begann vormittags 9 Uhr. Am Meschwitzer Weg hatten die Vereine, Verbände, die NSDAP mit angeschlossenen Abteilungen und eine Abteilung der Reichswehr von Löbau in Stärke von 100 Mann gestellt, so daß sich etwa 500 Personen im Zuge nach dem Gotteshaus bewegten. Dort waren bereits andere Gottesdienstbesucher eingetroffen. Das Gotteshaus war somit dicht gefüllt und etwa 1800 Personen befanden sich in der Kirche. Herr Pfarrer Mürbe legte der Predigt das Losungswort aus dem biblischen Wegweiser, Psalm 68, Vers 21 zugrunde: "Wir haben einen Gott, der da hilft und einen Herrn, der uns vom Tode errettet." An dieses Losungswort sollen wir uns stets halten: denn dieses hat in der Vergangenheit und in der Gegenwart seine Berechtigung gehabt und soll es auch für die Zukunft haben. 175 Jahre sind eine lange Zeit, und so manches ist vergessen worden. Die Helden von Hochkirch, vom Befehlshaber bis herab zum unbekannten Soldaten, aber bleiben uns unvergessen. Schweres haben auch die Ortseinwohner im Jahre 1758 durchmachen müssen und haben Zuflucht unter der Kirche in den Grüften gesucht. Der Herr hat ihnen geholfen. Wenn es auch nicht immer gleich geschieht, so dürfen wir nicht verzagen. Mit Gottesfurcht und Gottvertrauen müssen wir durchs Leben wandern, dann wird der Herr uns auch stets helfen.
Die kirchliche Feier wurde besonders musikalisch ausgestaltet. Der Posaunenchor bot das "Intrada" von Haußmann. Eine ganz besondere Wirkung aber erielte der Choral "Wachet auf, ruft uns die Stimme", Posaunensolo mit Orgel und Kesselpauken. Der Kirchenchor sang mit großer Innigkeit"Der Herr ist unsere Zuversicht" nach B. Klein. Nach dem Gottesdienst vereinigte man sich auf dem Platz vor der Kirche vor denHeldendenkmälern zu einer Heldenehrung.
Der Posaunenchor spielte einleitend "Morgenrot, Morgenrot ...". Herr Pfarrer Mürbe hielt die Ansprache. In der Kirche ist vom größten Lenker der Weltgeschichte gesprochen worden. Vor deNHeldendenkmälern aber wurde derer gedacht, die hier für ihr Vaterland kämpften: König, Führer und Soldaten. Was sin die für un heute? Tote? Ja. Wir grüßen sie aber als leuchtende Vorbilder und Mahner, nicht nur als eine kriegerische Aspiration, sondern als Friedensmenschen. Die Toten von Hochkirch haben alle treu ihre Pflicht für ihr Vaterland erfüllt. Und darum: Ehre den Helden! Herr Tautenhahn, der Führer des Militärverein zu Hochkirch, legte mit ehrenden Worten zwei große Lorbeerkränze nieder. Bei präsentiertem Gewehr und "Stillgestanden" verharrten alle in feierlicher Stille im Gedenken der Gefallenen. Der Posaunenchor spielte hierzu: "Ich hatt' einen Kameraden". Drei Ehrensalven wurden von der Gewehrabteilung des Militärvereins abgefeuert. ...
Mittags 12 Uhr gab es
Platzkonzert
auf dem Platze vor der Kirche. Hierbei spielte die Reichswehrkapelle des Trompeterkorps vom 2. Art.-Regt. 4 BAutzen in einer auserwählten Vortragsfolge unter Herrn Korpsführer Kuiau. Die alten Armeemärsche fanden besonderes Interesse. Auch die "Jubel-Ouverüre" von Bach und "Sirenenzauber" von Waldteufel verfehlten ihre Wirkung nicht.
Am Sonntagsnachmittag stand Hochkirch im Zeichen eines außerordentlich lebhaften Fremdenverkehrs. Tausende von Besuchern hatten sich von nah und fern eingefunden, um an diesem erhebenden vaterländischen Gedenktag teilzunehmen. Von den Sonntagsrückfahrkarten der Reichsbahn wurde in starkem Maße Gebrauch gemacht. Die KBG, Betriebsleitung Bautzen, mußte am Nachmittag drei Sonderwagen nach Hochkirch verkehren lassen. In Löbau hatte die Autofirma Paul Meltke einen Pendelverkehr zwischen Löbau und Hochkirch eingerichtet. Auf der Staatsstraße bewegte sich nachgerade eine Schlange von Privatkraftwagen nach Hochkirch. In den Radaufbewahrungsstellen waren hunderte von Fahrädern eingestellt. Eine besondere Schwierigkeit bot der Umstand, daß der Fernverkehr Dresden-Bautzen-Görlitz durch Hochkirch führt und nicht umgeleitet werden konnte. Die Gendarmerie hatte aber in umsichtiger Weise für eine zweckmäßige Verkehrsregelung gesorgt, so daß sich alles reibungslos abwickelte.
Lebhaftem Interesse begegnete der
Festumzug
Hunderte, wenn nicht Tausende, umsäumten die Straßen. Historische Kostüme, bekannte Gestalten des Siebenjährigen Krieges und malerische Trachtengruppen gaben dem Zug ihr Gepräge. Voran schritt die Freiwillige Feuerwehr, dann folgten Fanfarenbläser und Paukenschläger. Festjungfrauen und Ehrengäste, der Reitersturm auf gepflegten Pferden im schmucken Dreß seiner Mitglieder, der Alte Fritz und General v. Ziethen, preußische Gardisten und österreichische Musketiere, die Rokokodamen des Festspiels, eine niedliche Liliputgarde des Alten Fritz, die Schulkinder des 5. bis 8. Schuljahres, eine Reichswehrkapelle ... In einer schmucken Gruppe waren die Friedensuniformen der 108er, 177er und 178er vertreten. Weiter marschierten im Zuge der Junglandbund, die Jugendvereine der Parochie, der Wendische Verein mit seinen hübschen evangelischen Trachten, eine Abordnung vom Wendischen Verein Czorneboh-Dresden, die Schützengesellschaft usw. Spielmannszüge belebten den Zug, der etwa 650 Personen zählte.
Nach dem Umzug durch den Ort begab man sich nach dem Festplatz, wo man nochmals zu einer kurzen Kundgebung aufmarschierte.
Herr Lehrer Schumann hielt eine Ansprache, welcher er das Wort Fichtes "Du sollst an Deutschlands Zukunft glauben, an deines Volkes Auferstehn" zugrunde legte. Der Bezirksführer der Militrvereine im Bezirk Löbau, Herr Blaß,stellte Fridericus als leuchtendes Vorbild hin und sprach von der unerschütterlichen Treue seiner Soldaten. ...
Die Nachmittagsaufführung des Theaterstückes war wieder außerordentlich stark besucht. Vollständig war der Saal gefüllt, ebenso die Festbälle an den Abenden. Von den verschiedenen Führungen und Besichtigungen wurde rege Gebrauch gemacht. Am Keith-Denkmal wurde ein Tuch mit einer Karte in englischer Sprache niedergelegt. Die Inschrift lautete: "Dieses schottische Zeichen im Andenken an den Marschall Keith verehrt dem Schotten und wahren Freund Friedrichs des Großen.
14.10.1933

Edith Barth

Die Kinder von Hochkirch
von Dieter Liebig
zum 250. Gedenktag der Schlacht bei Hochkirch am 14.10.1758
(aufgeführt im Gedenkgottesdienst am 12.10.2008 in Hochkirch)

(Die preußischen Grenadiere Ferdinand und Wilhelm betreten durch den Seiteneingang die Kirche).

Wilhelm: Wie ich es erwartet hatte. Die Kirche ist fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Wenn eine Schlacht bevorsteht, bringen sich die Leute in Sicherheit.
Ferdinand: Ich kann nur einen Hellseher entdecken. Und der steckt in einer preußischen Uniform.
Wilhelm: Ich komme von Feldwache. Ich sage dir, Ferdinand, es braut sich etwas höchst Gefährliches zusammen. Die ganze Nacht wird gesungen.
Ferdinand: Vielleicht feiern die Österreicher Allerseelen. Das Fest dürfte lange dauern, wenn sie all ihrer Gefallenen gedenken wollen.
Wilhelm: Die Lieder klangen siegestrunken, begleitet durch Axtschläge. Und diese kamen immer näher.
Ferdinand: Es ist eine kalte Oktobernacht. Da benötigt eine Armee viel Holz, um sich warm zu halten.
Wilhelm: Was meinst du, warum uns Major von Langen in die Kirche geschickt hat? Um zu erkunden, wie sie sich verteidigen lässt.
Ferdinand: Mein Gott. Die Kirche läge weit von der Front entfernt, wenn es tatsächlich zu dem herbei geredeten Überfall kommen sollte. - Ich gebe zu, das Lager ist nicht sonderlich befestigt und auch die Stellungen nicht ausgebaut. Aber das zeigt nur, wie wenig unsere Generäle mit einem Angriff rechnen.
Wilhelm: Es wäre nicht das erste Mal, dass sie sich verrechnen. Und der Alte Fritz ist stur wie ein Esel. Was nicht sein darf, kann auch nicht geschehen.
Ferdinand: Die große Batterie hat sich längs von Hochkirch aufgebaut. Weh dem, der versuchen würde, aus den Wäldern hervorzutreten.
Wilhelm: So man ihn entdeckt. Ich sage dir, noch vor Morgen werden die Kanonen umgedreht sein.
Ferdinand: und uns hier in der Kirche unter Beschuss nehmen, samt den unglücklichen Menschen, die uns betend Beistand leisten. Hör auf, Wilhelm. Ich bin sonst gezwungen, Deine wirre Rede zu deuten.
Wilhelm: Eben das wäre wünschenswert. Dann wüsste ich, ob du mich verstanden hast.
Ferdinand: Erinnerst du dich an Korporal Klinger? Der sah auf einmal hinter jedem Baum einen Kroaten. Oder an Schmelzer? Dem taten alle Glieder weh und er jammerte, dass er zerschossen wäre. Was haben wir gedacht?
Wilhelm: Der fällt heute.
(Ferdinand starrt Wilhelm an. Dann blickt er unverwandt auf die Leute.)
Ferdinand: Ich will nicht mehr an den Krieg denken. (wendet sich ab)
(Wilhelm geht in Richtung Altar und nimmt das Kriegerdenkmal links in der Kirche wahr. Dort geht er hin und liest vor:)
Wilhelm: Im Weltkriege starben den Heldentod uns unvergessene Brüder
Ferdinand: (liest ebenfalls) Ich weiß deine Arbeit, deine ... und deine Geduld.- Du liest nur heraus, was zu deiner düsteren Stimmung passt.
Wilhelm: Hier ist noch Platz für weitere Gedenksteine. Der für Feldmarschall Keith würde sich gut machen. Oder man könnte an den Vater unserer Armee, Major von Langen, erinnern. Wir als seine Kinder wären dann auch vermerkt. Der Text könnte lauten: Zur ehrenden Erinnerung an die tapferen gefallenen Soldaten welche auf diesem Schlachtfelde am 14. Oktober 1758 für König und Vaterland den Heldentod gestorben sind. Und über allem thront der preußische Adler.
(Rosalie betritt die Kirche durch den Hintereingang. bewegt sich zielstrebig auf den Altar zu. Im Arm trägt die ein Bündel. Auf dem Weg dahin tritt ihr Ferdinand in den Weg.)
...

Schlacht bei Hochkirch