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Niethen - Nĕćin

Niethen ist eine kleine Siedlung, deren Häuser sich größtenteils im tiefeingeschnittenen Tal des Kuppritzer Wassers verstecken. Seit 1935 ist es keine selbständige Gemeinde mehr, sondern gehört zu Rodewitz, dann mit diesem zu Pommritz und nun zur Kommune Hochkirch. Die Einwohnerzahl verringerte sich zwischen 1834 und 1925 von 104 auf 76. Im Jahre 1777 hatte das Dorf 7 Wirtschaftsbesitzer, 3 Häusler und 1 Wüstung. Unter den wenigen Menschen befand sich der sorbische Uhrmacher Andreas Mieth, der 1751 das Uhrwerk der historischen Kirche von Hochkirch konstruiert hatte. Dieses Uhrwerk befindet sich noch heute zur Ansicht in der Kirche. Im Jahre 1831 gab wurde der Gärtner Johann Jannasch angezeigt, weil er in Niethen eine Winkelschule eingerichtet hatte und 24 Kinder aus dem Ort und der Umgebung unterrichtete, die nach Hochkirch in die Schule zu gehen hatten. Es wird festgestellt, dass er das schon seit mehr als 40 Jahren tat. Doch schrieben ihm die Ortsrichter wie auch der Pfarrer von Hochkirch ein so gutes Zeugnis, dass die Oberamtsregierung in Bautzen nichts gegen ihn unternahm.
Niethen ist eine Gutssiedlung, die 1424 unter den Namen Nethen erstmals in einer Urkunde genannt wird. Als slawische Burg jedoch ist Nĕćin vielleicht schon um das Jahr 1000 vorhanden gewesen. Der Burgwall Niethen tritt uns heute noch in eindrucksvoller Größe entgegen und ist eine der besterhaltenen und mächtigsten "Schanzen" der Oberlausitz. Auf einem Hang, der steil und tief nach dem rauschenden Bach abfällt, ist in Hufeisenform ein gewaltiger Wall aufgeschüttet, der nach der Ackerfläche hin eine Höhe von 16 m erreicht. Das sehr geräumige Innere, ein Wallkessel, heute eine Wiese, war wohl ursprünglich als Fluchtburg für die Bewohner der Umgebung gedacht, wenn ein Feind sie bedrohte und diente wohl auch als Herrensitz. Nach der deutschen Eroberung mag der deutsche Ritter noch eine Zeit in der sorbischen Skalenburg gewohnt haben. Nachdem aber die Verhältnisse sicherer geworden waren, baute er sich außerhalb des Walls ein Rittergut. Ausgrabungen wurden nach 1870 durch Prof. Rudolf Virchow und 1902 durch Hermann Schmidt vorgenommen. Die Gutsanlage ist noch in Spuren vorhanden. So klein der Ort auch war, so hatten doch z.B. 1777 auch die Rittergüter Nechern und Belgern und die Landeshauptmannschaft Besitzanteile in Niethen.
Nach: Hochkirch vor dem Czorneboh. Das schöne Bautzener Land Heft 12, Bautzen 1965