Soritz - Sowrjecy

Soritz baut sich auf der nördlichen Hangkante über dem Albrechtsbach auf und steigt nur mit wenigen Häusern in das hochwassergefährdete Tal hinab. Vermutlich hängt der Dorfname mit dem obersorbischen Wort sowjer zusammen, mit dem man eine Sandanschwemmung in einem Fluss oder Bach bzw. Nebeldunst, Rauch bezeichnet. Ein deutscher Ritter hatte später im Ort ein kleines Gut, doch bereits in einer Liste von 1534 ist Schornitz als Bautzener Ratsdorf genannt mit 9 Familien, darunter der Leh(n)mann und ein Müller. 1621 teilte die Stadt das Gut auf und überließ 4 Bauern je 18 Scheffel Land. 18 Jahre später kauften sich die Gärtner von Soritz von sachlichen Dienstleistungen gegenüber der Stadt frei. 
Ein Sandsteinrelief mit dem Bautzener Wappen und einem Leitspruch, das die Stadt 1589 über dem Rittergutstor anbringen ließ, ziert heute den Eingang des Wohnhauses Nr. 28. Das Haus Nr. 11 gilt in der örtlichen Überlieferung als Stary hród = altes Schloß. Auch das strohgedeckte Haus (1974) Nr. 25 reicht offenbar in die Rittergutszeit zurück, es soll die Behausung des Teichwirtes am damaligen Gutsteich gewesen sein. Die 1926 stillgelegte Mühle am Albrechtsbach stammt aus dem Jahre 1802 und zeigt im Obergeschoss gutes Fachwerk.


An der Verbindungsstraße zwischen den Orten Meschwitz und Soritz hat sich im späten 19. Jahrhundert ein recht tragisches Geschehen ereignet.
Am südwestlichen Rand der Straße, etwa 80 m vor dem westlichen Ortseingang, steht ein kleiner schlichter Gedenkstein, der weitgehend unbekannt ist. Im Sommer wird er durch die Vegetation verborgen, die im Schatten des benachbarten Alleebaumes gedeiht und im Winter hüllt ihn der zur Seite Geschobene Schnee völlig ein. Es handelt sich um einen bearbeiteten Granitstein(20 x 15 cm), der etwa 45 cm über den Erdboden hinausragt. Die Erfahrung der Flursteinforschung lehrt, dass derartige Steine meist in früheren Tagen zum Gedenken an einen Unglücksfall aufgestellt wurden.
Ausgehend von den Angaben auf dem Gedenkstein: A.P. 1886 in Verbindung mit einem Kreuz finden sich in dem Bestattungsbuch der Kirchgemeinde Hochkirch von 1886 tatsächlich ein Eintrag, der in enger Verbindung mit diesem Stein steht: Am 26. Dezember 1886 wurde auf dem Friedhof in Hochkirch Karl August Petermann in schlichter Form zur letzten Ruhe gebettet. August Petermann wurde 1850 geboren, war gelernter Maurer und Einwohner von Meschwitz
Wir die Untersuchungen ergaben, ist Herr Petermann am 22. Dezember 1866 abends auf der Bahnstation Kubschütz angekommen und über Scheckwitz und Soritz nach Meschwitz gelaufen. Ein langanhaltender, eisiger Schneesturm erschwerte sowohl die Fortbewegung als auch die Sicht und drang mühelos durch die Kleidung. Das man unter derartigen Bedingungen auch auf ganz kurzen Sterecken sehr schnell in die Irre gehen kann, wird nur bestätigen können, wer schon selbst einmal in derartige Situationen geraten ist. Vielleicht ist auch August Petermann vom Wege abgekommen. Jedenfalls wurde er am darauf folgenden Tag an der heute noch durch diesen Denkstein bezeichneten Stelle nur noch ein kurzes Stück von seinem Heimatdorf entfernt erfroren aufgefunden.
Überlieferungen zufolge arbeitete August Petermann die Woche über in Bautzen als Zimmermann und kehrte nur über das Wochenende nach Hause zurück. So wohl auch an jenem 22. Dezember. In Scheckwitz soll er sich noch einmal bei Bärs bei einer Tasse Tee aufgewärmt haben, bevor er seinen Weg fortsetzte. An jenem Abend herrschte ein scharfer Ostwind, so dass man in Soritz auch Hilfeschreie hören konnte, es sollen sich daraufhin auch zwei Männer auf den Weg gemacht haben, jedoch fanden sie niemanden.
Die Tragik dieses Geschehens liegt darin, dass Petermann schon mit 36 Jahren verwitwet war und neben seinen Eltern nun auch noch 4 Töchter und einen Sohn hinterließ und alles unmittelbar vor dem Ziel eines etwa 6 Kilometer langen Weges geschah.
Es besteht also kein Zweifel, dass die Initialen A.P. dem Rufnamen August und dem Familiennamen Petermann entsprechen.