Pfr. Karl Traugott Kanig
farar Korla Bohuwěr Konik




1827 -1829 Hilfsgeistlicher in Hochkirch

Karl Traugott Kanig / Korla Bohuwěr Konik
war als Hilfsprediger zwischen 1827 und 1829 bei Pfarrer Michael Möhn / Michał Mjeń tätig.
Karl Traugott Kanig wurde am 29. Juli 1804 in Hochkirch als erstes Kind von neun der Krämerfamilie Georg Gotthelf Kanig aus Hochkirch und seiner Ehefrau Margaretha geb. Schuster aus Kubschütz geboren. Sein Elternhaus befand sich auf der Blutgasse, sein Vater hatte es 1807 gebaut. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Bautzen studierte Karl Traugott Kanig von 1824 bis 1827 Theologie in Leipzig. Anschließend war er zwischen 1827 und 1829 Hilfsprediger in Hochkirch, wo sich zu dieser Zeit Michael Möhn als Pfarrer große Verdienste um die Gleichberechtigung der sorbischen Sprache an Schulen und die Verbreitung sorbischen Liedguts erwarb. 1829 wurde Kanig als Pfarrer nach Uhyst/Spree berufen.
Kanig wird, ebenso wie Jan Kilian den erweckten sorbischen Pfarrern aus der Übergangszeit vom Spätpietismus zugerechnet. (Die Erweckungsbewegung, auch Neupietismus genannt, der sorbischen Lutheraner ist als spezielle Variante des Spätpietismus anzusehen.) Ihre gemeinsame Heimat, die Gegend um Hochkirch, war seinerzeit ein Zentrum dieser sorbischen pietistischen Bewegung, die sich auch um die Verbreitung religiöser Schriften im Volke bemühte. Als Pfarrer in Klix von 1834 bis 1878 wurde er weithin bekannt. Im August 1834 gehörte er zu den 18 sorbischen evangelischen Geistlichen, die im Namen von 50.000 Sorben bei der sächsischen Regierung gegen die Benachteiligung ihrer Muttersprache protestierten.
Karl Traugott Kanig zählt zu den bedeutendsten sorbischen Liederdichtern. Schon 1842 wurde sein Jesu, Dobry Ljekarjo in das „Evangelisch-wendische Gesangbuch“ aufgenommen. Ab 1854 gehörte er zu den wichtigsten Mitarbeitern des von P. Richter (Kotitz) in einer monatlichen Auflage von 900 Stück herausgegebenen Missionsboten, der sich Missionsberichten, Predigten und Liedern verschrieben hatte. Seine Bemühungen um die sorbische Sprache gingen so weit, dass er die Verordnung zum stärkeren Gebrauch der deutschen Sprache im Schulunterricht von 1860 nicht an die Lehrer seines Aufsichtsbezirks weitergab, wofür er von der Kreisdirektion gerügt wurde. Ab 1862 verfasste Kanig für den Lausitzisch-sorbischen lutherischen Bücherverein mit seinen etwa 1.000 Mitgliedern über mehrere Jahre einen Biblischen Wegweiser. Seine 38 Lieder wurden von Michał Domaška, der selbst den Text zur Sachsenhymne „Kralowska hymna“ - Königshymne von Korla Awgust Kocor geschaffen hatte, als "vom Heiligen Geist getragen“ geschätzt.
Kanig begründete eine Familientradition, nach der innerhalb der folgenden 100 Jahre fünf Nachfahren gleichen Familiennamens wiederum Pfarrer in Sachsen wurden. Die bekanntesten darunter sind Otto Kanig (Lehrer an der Thomasschule Leipzig, 1874 Diakonus und 1875 Gymnasialprofessor in Bautzen, 1891 Oberpfarrer in Pulsnitz und berühmt für seine Predigt anlässlich der nationalen Trauerfeier um den Fürsten von Bismarck) und dessen Sohn Karl Moritz Gerhard Kanig (geb. 25.11.1875 in Bautzen, 1899-1906 Missionar in Ukamba/Kenia, später Pfarrer in Glauchau, Großolbersdorf und Kittlitz). Ein Epitaph an der Außenwand der Kirche zu Klix auf dem dortigen historischen Friedhof erinnert noch heute an Karl Traugott Kanig: "Er war vor vielen wie ein Wunder, aber der Herr war seine starke Zuversicht.“
(vgl. F. Fiedler / U. Fiedler: "Lebensbilder der Oberlausitz. 60 Biografien aus Bautzen, Bischofswerda und Umgebung" 2017 und "Biographisches Lexikon der Oberlausitz" Artikel zu K.T. Kanig - 04.02.2009)
Kanig
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[Pomhaj Bóh 07/2014]

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[Pomhaj Bóh 07/2014]