AUS DER GESCHICHTE DER HOCHKIRCHER KANTOREI

(Bautzner Tageszeitung vom 29. 07. 1936)

"40 Jahre Kirchenchor zu Hochkirch. Der Kirchenchor zu Hochkirch feierte sein 40jähriges Bestehen. Von nah und fern waren aus diesem Anlaß die ehemaligen Mitglieder zusammengekommen, um mit den jetzt aktiven Sängern und Sängerinnen einige recht schöne Feierstunden zu verleben. Zunächst wurde der deutsche und wendische Gottesdienst besucht. Der Kirchenchor sang, und so wurden die Gottesdienste zu wahren Festgottesdiensten. Hierauf versammelten sich alle ehemaligen und jetzigen Mitglieder des Chores im Kirchgemeindesaal zu einer besonderen Feier. Pfarrer Mürbe begrüßte sie im Namen der Kirchgemeinde. Anschließend gab der Leiter des Kirchenchores, Kantor Lodni, einen Überblick über die Arbeit des Chores in den vergangenen 40 Jahren.  Kantor Hatnick bildete den Kirchenchor im Jahre 1896 aus Sängern und Sängerinnen seines Schul- und Kinderchores, wozu er die Männerstimmen aus dem von ihm geleiteten Männerchor entnahm. Die zum Chore gehörenden Kinder blieben Mitglieder, auch nachdem sie aus der Schule entlassen waren. So zog sich nach und nach Kantor Hatnick seine Sängerschar heran. Die Leitung behielt er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1903. Von seiner Tätigkeit als Chorleiter zeugen noch heute von ihm vervielfältigte Lieder und Psalmen, zu denen er die wendischen Texte geschrieben hat. Bestimmt hat er die weitaus schwierigste Arbeit gehabt, denn er musste Sänger und Sängerinnen erst an den vierstimmigen Gesang eines gemischten Chores gewöhnen sie mit unendlicher Mühe und Geduld schulen. Seine Arbeit ist gesegnet gewesen, noch spricht man von seiner Tätigkeit als Leiter des Chores und lobt seine meisterhafte, saubere Übungsart und Vortragsauffassung. Sein Nachfolger als Kirchschullehrer und Kantor in Hochkirch und somit auch Leiter des Kirchenchores war Kantor Strauch. Als Kind des Schulbezirks Hochkirch hatte er viel Freude unter seinen einstigen Schulkameraden und -kameradinnen. Deshalb blieb der Chor in ansehnlicher Stärke auch unter seiner Leitung. Er selbst war ein begnadeter, feiner Sänger von stets freundlichem, liebenswürdigen Wesen, so daß die Mitglieder seines Chores gern seinen Weisungen folgten. Auch von ihm liegen noch mehrere vervielfältigte Lieder, Psalmen und Motetten im Notenschanke. Immer haben die Chorleiter mit viel Liebe und Mühe wendische Texte selbst verfaßt und geschrieben. Ein früher Tod riß ihn im September des Jahres 1912 hinweg. Seit dem Januar 1913 hat Oberlehrer Kantor Lodni die Leitung des Kirchenchores. Er hat mit Ernst und Ehrfurcht vor der hohen Aufgabe die Leitung übernommen und bemüht sich, im Geiste seiner beiden Vorgänger weiter zu wirken. Bei den Sängern und Sängerinnen ist rühmend hervorzuheben, daß sie viel Opfer gebracht haben. Man muß bedenken, daß sie aus den Ortschaften der Parochie zu den Sing- und Übungsstunden bei jedem Wetter herbeigeeilt sind. Kirchemusikdirektor Teich, Löbau, würdigte die aufopferungsvolle Tätigkeit des Kirchenchores zu Hochkirch in den vergangenen 40 Jahren und zeichnete besonders langjährige Mitglieder des Chores aus. Im „Gerichtskretscham“ war dann gemeinsames Mittagessen und nach einem Rundgang durch Schule, Friedhof usw. Verbrachten alle noch recht schöne Stunden in froher Geselligkeit. So wurde das Treffen aller ehemaligen und jetzigen Sänger und Sängerinnen anläßlich des 40jährigen Bestehens des Kirchenchores zu Hochkirch zu einer wahren Feier."


In den nachfolgenden Jahren wurde die Katorei geleitet von Kantor Ernst Lodni, Pfarrer Gerhart Laser,  Frau Johanna Kockel, Kantorin Brigitte Lippmann, Kantorin Laura Pfeffer-Sirrenberg und Kantorin Elke Groß.